Baugenehmigungen legen deutlich zu
Die Zahl der Baugenehmigungen in Baden-Württemberg ist im zweiten Quartal 2026 deutlich gestiegen. Wie das Statistische Landesamt mitteilt, wurden von April bis Juni insgesamt 8.987 Wohnungen in Wohn- und Nichtwohngebäuden genehmigt. Das waren 14,1 Prozent mehr als im Vorjahresquartal und 10 Prozent mehr als in den ersten drei Monaten dieses Jahres.
Besonders deutlich fiel der Anstieg bei Wohnungen in neu zu errichtenden Gebäuden aus. Hier wurden 7.809 Wohnungen genehmigt – 21,9 Prozent mehr als im zweiten Quartal 2025. Dagegen ging die Zahl der Wohnungen, die durch Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden entstehen sollen, um 19,9 Prozent auf 1.178 zurück.
Zeigt der Bau-Turbo bereits Wirkung?
Unter den neu genehmigten Wohnungen in Wohngebäuden entfiel der größte Teil auf Mehrfamilienhäuser. Für Gebäude mit drei oder mehr Wohnungen wurden 5.133 Einheiten genehmigt. Das entspricht einem Plus von 25,7 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2026. Bei Einfamilienhäusern sank die Zahl im selben Vergleichszeitraum dagegen um 9,9 Prozent auf 1.418 Wohnungen.
Zu dem Aufwärtstrend könnten auch die seit Mitte 2025 geltenden gesetzlichen Erleichterungen beitragen, mit denen Baden-Württemberg Genehmigungsverfahren beschleunigt hat – etwa die Vereinfachungen in der Landesbauordnung oder die Bundesgesetzgebung zum sogenannten Bau-Turbo. In welchem Umfang diese Maßnahmen bereits für die steigenden Genehmigungszahlen verantwortlich sind, lässt sich aus der Statistik allerdings nicht ablesen.
Wohneigentumsquote auf neuem Tiefstand
Während die Entwicklung bei den Baugenehmigungen in Baden-Württemberg Anlass zu vorsichtigem Optimismus gibt, zeigt eine aktuelle Studie für Deutschland einen deutlich negativeren Befund: Der Anteil der Haushalte mit selbst genutztem Wohneigentum ist auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gefallen. Nach einer Studie des Pestel-Instituts lebten 2025 nur noch 43,5 Prozent der privaten Haushalte in den eigenen vier Wänden. Damit liegt Deutschland bei der Wohneigentumsquote im EU-Vergleich auf dem letzten Platz.
Als Hauptgründe nennt das Institut hohe Baukosten, gestiegene Zinsen und die Wohnungsbaupolitik der vergangenen Jahre. Seit dem Jahr 2000 seien die Herstellungskosten für Wohnungen um 160 Prozent gestiegen, die allgemeinen Verbraucherpreise dagegen nur um 64 Prozent.
Besonders betroffen sind jüngere Menschen: Fast drei Viertel der 25- bis 45-Jährigen leben laut Studie zur Miete. Institutsleiter Matthias Günther fordert deshalb eine stärkere staatliche Förderung von Wohneigentum und einen „Wohneigentumsplan des Bundes“. Ziel müsse es sein, jährlich mindestens 200.000 Haushalten den Weg in selbst genutztes Wohneigentum zu ermöglichen.
Auch in Baden-Württemberg ist die Wohneigentumsquote rückläufig. Aktuelle Zahlen für die einzelnen Bundesländer hat das Pestel-Institut allerdings noch nicht veröffentlicht. Nach einer früheren Auswertung lebten in Baden-Württemberg 2022 noch 50,6 Prozent der Haushalte in den eigenen vier Wänden – 2011 waren es 52,1 Prozent. Damit lag die Wohneigentumsquote im Südwesten, wie auch in Untersuchungen zuvor, über dem Bundesdurchschnitt.