Winfried Kretschmann nach 15 Jahren verabschiedet
Nach 15 Jahren als Ministerpräsident von Baden-Württemberg ist Winfried Kretschmann offiziell verabschiedet worden. Der 77-Jährige stand seit 2011 an der Spitze des Landes – zunächst in einer grün-roten Koalition, ab 2016 in zwei grün-schwarzen Regierungen mit der CDU.
Längste Amtszeit im Südwesten
Die Verabschiedung fand im Neuen Schloss in Stuttgart statt. Neben politischen Weggefährten nahmen auch Vertreter aus Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur teil. Reden hielten unter anderem Innenminister Thomas Strobl sowie der frühere Bundespräsident Joachim Gauck.
Kretschmann war der erste grüne Ministerpräsident Deutschlands und zugleich der bislang dienstälteste Regierungschef Baden-Württembergs. Seine Amtszeit war geprägt von vergleichsweise stabilen politischen Verhältnissen, aber auch von großen Krisen – darunter die Flüchtlingsbewegung ab 2015, die Corona-Pandemie und die Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine.
Verhältnis zu den Kommunen
Aus kommunaler Sicht wird vor allem die Zusammenarbeit mit dem Land hervorgehoben – wenn auch nicht ohne Reibungen. „Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat in einer Zeit außergewöhnlicher Herausforderungen das Land mit ruhiger Hand und großem Verantwortungsbewusstsein geführt“, erklärt Gemeindetagspräsident Steffen Jäger in einer Stellungnahme.
Dafür gebühre ihm Dank und Anerkennung. „Die Zusammenarbeit mit den Kommunen war dabei von Verlässlichkeit und gegenseitigem Respekt geprägt, wenngleich hin und wieder auch unterschiedliche Sichtweisen zwischen Land und Kommunen bestehen und bestanden“, so Jäger weiter.
Der Gemeindetag habe ihn als Vermittler zwischen politischen Lagern und staatlichen Ebenen erlebt, als überzeugten Verfechter „unserer verfassungsmäßigen Grundwerte“. Diese wären für ihn das Fundament eines Staates gewesen, der seine Stärke aus Maß und seine Legitimation aus Nähe schöpft. „Gerade in krisenhaften Zeiten hat sich ein gutes und konstruktives Zusammenwirken in besonderem Maße bewiesen. Ob in Zeiten hoher Flüchtlingszugänge, während der Corona-Pandemie und auch nach dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine waren Land und Kommunen gemeinsam gefordert.“
Für Ministerpräsident Kretschmann sei dabei immer klar gewesen, dass eine Bewältigung dieser Herausforderungen nur mit den Kommunen gelingen kann. Sein Wirken sei getragen, so Jäger, von dem Anspruch, unserem Land Stabilität, Orientierung und Zukunftsperspektive zu geben. „Sein klares Bewusstsein, dass Demokratie vom Ausgleich unterschiedlicher Überzeugungen lebt – vom offenen Wort, vom Ringen um Mehrheiten und vom Respekt vor dem Andersdenken –, hat die Landespolitik geprägt und ist von bleibendem Wert.“
Amtsübergabe Mitte Mai
Kretschmann bleibt noch bis zur Wahl seines Nachfolgers im Amt. Diese ist für den 13. Mai vorgesehen. Dann soll Cem Özdemir zum neuen Ministerpräsidenten gewählt werden.
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Hinweis: Im die:gemeinde-Magazin, das am 13. Mai 2026 erscheint, finden Sie das große Abschlussinterview mit Winfried Kretschmann zu seiner Arbeit mit den Kommunen in Baden-Württemberg.