Bild des Bildungsraumes mit Jugendlichen
Beim VfB Eppingen wurde ein früherer Lagerraum zum modernen Lern- und Begegnungsort für Jugendliche.
© Stadt Eppingen

Mehr als nur ein Verein

Mit Unterstützung der Stadt und der Initiative „Anpfiff ins Leben“ geht ein Eppinger Fußballclub neue Wege in der Jugendarbeit – der ganzheitliche Ansatz könnte zum Modell für andere Kommunen werden.

Sportvereine sind für viele junge Menschen ein zweites Zuhause – Ort der Bewegung, Begegnung und manchmal auch der ersten Verantwortung. Doch was, wenn sie mehr sein könnten? Bildungsorte, Netzwerkknoten, soziale Anker? In Eppingen hat man genau diesen Schritt gewagt – mit einem Projekt, das über den Sport hinausreicht.

Den Anstoß gab der Traditionsverein VfB Eppingen, der sich 2022 an die Stadt wandte. Nach einer intensiven Phase der Beratung durch „Anpfiff ins Leben“, einem gemeinnützigen Verein mit Sitz in Walldorf im Rhein-Neckar-Kreis, entstand ein Plan: Eine ganzheitliche Förderung der Jugendlichen – nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch in Schule, Ausbildung und sozialen Fragen.

Vereinsräume werden zu Bildungscampus

„Unsere Vereine sind wichtige gesellschaftliche Stützen“, sagt Vanessa Heitz von der Stadtverwaltung Eppingen. „Wenn ein Verein wie der VfB Eppingen sich so breit aufstellt – mit Bildungsangeboten, Berufsorientierung und sozialen Impulsen – dann profitieren auch wir als Stadt.“

Der Gemeinderat unterstützte das Vorhaben von Beginn an. Gemeinsam mit Anpfiff ins Leben wurde ein dreijähriger Anschubfinanzierungsvertrag geschlossen: 90.000 Euro fließen zwischen 2023 bis Ende 2025 in das Projekt. Mit dem Geld wurde unter anderem eine hauptamtliche Stelle beim Verein geschaffen, um die neue Form der Jugendförderung professionell umzusetzen.

Im Zentrum des Projekts steht der Umbau alter Vereinsräume zu einem echten Bildungscampus. Der VfB Eppingen war Teil des Förderprogramms „Jugendräume“ von Anpfiff ins Leben, bei dem mithilfe der Dietmar-Hopp-Stiftung bundesweit 20 Vereine ihre Jugendräume modernisieren durften.

In Eppingen wurde daraus mehr als nur ein bauliches Upgrade. „Hausaufgabenbetreuung, Klausurvorbereitung, Berufsorientierung, soziale Projekte – all das wird jetzt vor Ort ermöglicht“, so Denise Burkard von Anpfiff ins Leben. Der Verein hat dafür einen 33 Quadratmeter großen ehemaligen Lagerraum zum jugendgerechten und technisch modern ausgestatteten Schulungsraum ausgebaut, in dem die Lernangebote bereitgestellt werden. Der Raum ist so gestaltet, dass ein ruhiges, konzentriertes und zielführendes Arbeiten möglich ist.

Anpfiff ins Leben begleitet die Vereine dabei nicht nur organisatorisch, sondern bringt auch Expertise in Bildungsarbeit und Förderlogik mit. „Das Ehrenamt ist vielerorts am Limit“, so Burkard, „aber es gibt überall gute Ansätze – man muss sie nur sichtbar machen und stabilisieren.“ Auch kleinere Kommunen könnten vom Modell profitieren: „Eppingen ist kein Einzelfall – solche Strukturen sind auch in kleineren Städten oder Gemeinden möglich, wenn der politische Wille da ist.“

Die Stadt wiederum war von der Idee überzeugt genug, um das Projekt von Anfang an mitzutragen. Nicht alle Elemente des Projekts entfalteten sofort die erhoffte Wirkung. So blieb etwa die Nachfrage nach Hausaufgabenbetreuung hinter den Erwartungen zurück. Doch der Verein sieht dies als normalen Teil des Entwicklungsprozesses. 

„Wichtig ist, dass wir flexibel nachjustieren können – und offen miteinander sprechen“, sagt Sabine Schuchmann, Abteilungsleiterin für Freizeit und Kultur der Stadtverwaltung Eppingen. Die Zusammenarbeit mit dem VfB laufe konstruktiv, auch weil beide Seiten feste Ansprechpartner definiert haben.

Für den Verein zahlt sich das Engagement aus. Die jährlich verpflichtende Berichterstattung an den Gemeinderat zeigt: Die Zahl der Jugendlichen, die durch das Projekt in Ausbildung oder ins Berufsleben vermittelt wurden, wächst. Ein gemeinsam getragener FSJ-Platz ist ebenfalls Teil des Konzepts. Und: Der Verein möchte die neu etablierten Strukturen auch über die dreijährige Förderphase hinaus weiterführen – unabhängig von weiterer städtischer Unterstützung.

Die Anschubfinanzierung der Stadt läuft Ende 2025 aus. Sicher ist aber: Das Projekt hat in Eppingen Spuren hinterlassen – als Beispiel für einen neuen Typ Sportverein und für die Chancen, die in kommunal getragenen Bildungsnetzwerken stecken. Die Stadt sieht das Projekt nicht als singulären Glücksfall, sondern als übertragbares Modell für Kommunen ähnlicher Größe. Das Fazit nach drei Jahren: Wer bereit ist, offen zu kommunizieren, Zuständigkeiten klar zu definieren und gemeinsam zu lernen, kann auch mit überschaubaren Mitteln große Wirkung entfalten.

„Der Ansatz der Förderung von Kindern im Bereich Fußball und Bildung, initiiert und umgesetzt vom VfB Eppingen und Anpfiff ins Leben, stellt ein Zukunftsmodell dar, das die Stadt gerne unterstützt und begleitet“, unterstreicht auch Eppingens Oberbürgermeister Klaus Holaschke. 

In Projekten wie „Jugendräume“ oder der „Masterclass“ – einem mehrmonatigen, kostenfreien Beratungsprogramm für Sportvereine – legt Anpfiff ins Leben besonderen Wert auf Bildungsimpulse, Berufsorientierung und soziales Lernen. „Es geht nicht nur um Leistungssport – sondern auch darum, Kinder und Jugendliche auf das Leben vorzubereiten“, sagt Denise Burkard. „Sport ist das Vehikel, aber das Ziel ist Teilhabe.“ 

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Kommunen, die sich für eine Zusammenarbeit mit Anpfiff ins Leben interessieren, können sich 
jederzeit für ein kostenfreies Erstgespräch anmelden. Weitere Informationen gibt es unter https://www.anpfiffinsleben.de/ 

Mehr zur Entwicklung von Kommunalen Sportstätten lesen Sie hier.