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Baden-Württemberg bleibt bei Wärmeplanung vorne

Baden-Württemberg gehört bei der kommunalen Wärmeplanung weiterhin zu den Vorreitern. In jeder dritten Kommune liegt inzwischen ein fertiger Wärmeplan vor, mehr als ein weiteres Drittel arbeitet daran. Eine neue Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zeigt zudem: Besonders kleinere Gemeinden stemmen die Aufgabe häufig gemeinsam. Doch mit den fertigen Plänen beginnt die eigentliche Herausforderung erst.

Die kommunale Wärmeplanung ist in Baden-Württemberg weit fortgeschritten. Zum 30. Juni 2026 hatten 367 der 1.101 Städte und Gemeinden im Land ihren ersten Wärmeplan fertiggestellt. Das entspricht 33,3 Prozent. Weitere 405 Kommunen oder 36,8 Prozent befanden sich mitten in der Planung. Damit haben sieben von zehn Kommunen ihre Wärmeplanung entweder abgeschlossen oder zumindest begonnen.

Noch deutlicher wird der Vorsprung beim Blick auf die Bevölkerung. Rund 7,6 Millionen Menschen und damit 67,5 Prozent der Bevölkerung Baden-Württembergs leben bereits in einer Kommune mit fertigem Wärmeplan. Weitere 21,3 Prozent leben in Städten und Gemeinden, in denen die Planung läuft. Lediglich für 11,3 Prozent der Bevölkerung ist dem BBSR kein aktueller Planungsstand bekannt.

Baden-Württemberg profitiert dabei von seinem frühen Start. Das Land hatte bereits vor Inkrafttreten des bundesweiten Wärmeplanungsgesetzes eigene Vorgaben eingeführt. Große Kreisstädte und Stadtkreise mussten ihre Wärmeplanung bereits bis Ende 2023 abschließen. Das BBSR spricht deshalb ausdrücklich von einer bundesweiten Vorreiterrolle Baden-Württembergs. Bis auf zwei Wärmepläne kamen Ende 2023 sogar alle damals vorliegenden Pläne in Deutschland aus dem Südwesten.

Kleine Gemeinden sind längst gestartet

Bundesweit zeigt die Untersuchung zugleich, dass die Wärmeplanung längst keine Aufgabe mehr nur für Großstädte ist. Gerade kleinere Kommunen sind vielerorts schon deutlich vor Ablauf ihrer gesetzlichen Frist aktiv geworden. Gemeinden mit weniger als 100.000 Einwohnern müssen ihren Wärmeplan nach Bundesrecht erst bis zum 30. Juni 2028 vorlegen.

Von den bundesweit gut 9.100 Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern hatten Mitte 2026 bereits 22,9 Prozent einen Wärmeplan fertiggestellt. Weitere 40,7 Prozent arbeiteten daran. Damit haben fast zwei Drittel der kleinen Gemeinden die Aufgabe bereits angepackt.

Auffällig ist dabei, wie häufig sie dies gemeinsam tun. Von den kleinen Gemeinden mit abgeschlossenem Wärmeplan haben lediglich 17,9 Prozent allein geplant. 57,7 Prozent erstellten ihren Wärmeplan innerhalb eines Gemeindeverbands, weitere 24,4 Prozent im sogenannten Konvoi. Insgesamt haben damit mehr als acht von zehn kleinen Gemeinden mit fertigem Wärmeplan auf eine Form der interkommunalen Zusammenarbeit gesetzt.

Konvoi-Lösungen im Südwesten verbreitet

Gerade in Baden-Württemberg spielt dieses Modell eine wichtige Rolle. Während in anderen Teilen Deutschlands häufig bestehende Gemeindeverbände die gemeinsame Wärmeplanung übernehmen, sind Konvoi-Lösungen laut BBSR besonders in Baden-Württemberg, Bayern und Teilen Nordrhein-Westfalens verbreitet.

Bei einem Konvoi schließen sich Kommunen freiwillig für die Wärmeplanung zusammen. Anders als ein Gemeindeverband muss sich ein solcher Zusammenschluss nicht zwingend an bestehenden Verwaltungsgrenzen orientieren. Er kann sich beispielsweise an Versorgungsgebieten, funktionalen Räumen oder bereits vorhandenen Kooperationen ausrichten.

Das bietet gerade kleineren Gemeinden Vorteile. Personal und finanzielle Mittel können gebündelt werden. Zugleich endet die Wärmeversorgung nicht an der Gemarkungsgrenze. Potenziale für Wärmenetze, erneuerbare Energien oder Abwärme lassen sich gemeinsam betrachten.

Das BBSR kommt deshalb zu dem Schluss, dass Wärmeplanung vielfach gemeindeübergreifend gedacht werden sollte. Kooperationen könnten nicht nur Ressourcen effizienter nutzen, sondern auch Synergien bei der späteren Transformation der Wärmeversorgung erschließen.

Bundesweit verdoppelt sich die Zahl fertiger Planungen

Auch außerhalb Baden-Württembergs hat die Wärmeplanung erheblich an Tempo gewonnen. Bundesweit hatten Mitte 2026 insgesamt 2.836 Gemeinden ihren Wärmeplan abgeschlossen. Das entspricht 26,3 Prozent und sind doppelt so viele wie Ende 2025. Weitere 4.419 Gemeinden oder 41 Prozent arbeiten daran.

Mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung – 55,6 Prozent – lebt inzwischen in einer Kommune mit fertigem Wärmeplan. Für weitere knapp 32 Prozent wird derzeit einer erstellt. Regional bleiben die Unterschiede allerdings erheblich. Neben Baden-Württemberg sind vor allem mehrere andere Länder im Südwesten weit vorangekommen.

Nach dem Wärmeplan kommt die schwierigere Aufgabe

Doch je mehr Kommunen ihre Planung abschließen, desto stärker rückt eine andere Frage in den Vordergrund: Lassen sich die darin formulierten Ziele tatsächlich umsetzen? Hinweise darauf liefert die BBSR-Auswertung der Wärmepläne der deutschen Großstädte. Sie ist zwar nicht unmittelbar auf kleinere Gemeinden übertragbar, zeigt aber die Größenordnung der Herausforderung. Viele Pläne gehen von erheblichen Fortschritten bei Gebäudesanierung und Wärmenetzen aus.

Von den untersuchten Großstadt-Wärmeplänen mit einer konstanten Sanierungsrate setzt fast die Hälfte eine jährliche Quote von zwei Prozent voraus. Tatsächlich wurden 2025 bundesweit aber lediglich 0,67 Prozent der Wohngebäude energetisch saniert. Um die Annahmen vieler Wärmepläne zu erreichen, müsste sich das Tempo damit nahezu verdreifachen. Auch Wärmenetze sollen erheblich an Bedeutung gewinnen. In den auswertbaren Großstadtplänen decken sie im jeweiligen Basisjahr durchschnittlich rund 22 Prozent der Wärmeversorgung. Für die Zieljahre werden im Schnitt knapp 50 Prozent angesetzt. Mehr als die Hälfte der entsprechenden Pläne sieht künftig sogar einen Wärmenetzanteil von über 50 Prozent vor.

Ob solche Ziele erreicht werden können, hängt nach Einschätzung des BBSR unter anderem von Finanzierung, verfügbaren Fachkräften und den Kapazitäten im Baugewerbe ab. Für die Kommunen beginnt deshalb mit der Fertigstellung ihres Wärmeplans die entscheidende Phase. Baden-Württemberg hat bei der Planung einen Vorsprung. Nun wird es darum gehen, aus Szenarien konkrete Projekte zu machen – vom Ausbau von Wärmenetzen über erneuerbare Wärmequellen bis zur energetischen Sanierung.

Gerade für kleinere Gemeinden könnte dabei ein Ansatz wichtig bleiben, der sich schon bei der Planung bewährt hat: Nicht jede Kommune muss die Wärmewende allein stemmen.