Turbo für die Bauleitplanung
Lange Verfahrensdauer, unklare Zuständigkeiten, spätes Nachjustieren: Viele Städte und Gemeinden klagen darüber, dass Bauleitplanungen zum Langstreckenlauf mit ungewissem Ziel geraten. Eine im Auftrag des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) erstellte Studie, begleitet vom Bundesbauministerium (BMWSB), zeigt konkrete Wege auf, wie sich Verfahren in der Bauleitplanung beschleunigen lassen – ohne die Qualität zu gefährden.
Das Ergebnis: In der Praxis lassen sich Verfahren oft deutlich beschleunigen – ohne dass gleich das Baugesetzbuch geändert werden müsste.
Die 5 Stellschrauben für mehr Tempo
Die Studie identifiziert fünf zentrale Hebel, mit denen Kommunen die Planungsverfahren wirksam beschleunigen können:
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Frühzeitig planen statt später heilen
Wer bereits in der Phase der Vorprüfung Klarheit über Ziel, Trägerschaft und Konfliktpotenzial schafft, kann spätere Schleifen vermeiden. Ein klar strukturierter Fahrplan mit abgestimmter Zieldefinition schützt vor kostspieligem Rückrudern in der Öffentlichkeitsbeteiligung oder nachträglichem Überarbeiten von Planentwürfen. -
Träger öffentlicher Belange gezielt einbinden
Statt der berüchtigten “Rundmail an alle” empfiehlt die Studie ein aktives Stakeholder-Management: Wer rechtzeitig mit ausgewählten Trägern öffentlicher Belange (TöB) ins Gespräch kommt, kann Konflikte früh erkennen und Lösungen gemeinsam entwickeln – etwa mit Behördenworkshops, vorbereitenden Fachgesprächen oder informellen Vorkonsultationen . -
Kommunikation auf Augenhöhe
Die Studie legt nahe: Planungsverfahren profitieren massiv von einer guten Kommunikationskultur – innerhalb der Verwaltung, aber auch zwischen Verwaltung, Politik und externen Planungsbüros. Regelmäßige Statusupdates, realistische Erwartungen und offene Abstimmung helfen, Reibungsverluste zu vermeiden. -
Verfahrensmanager einsetzen
Ein besonders wirksames Instrument: eine eigene Steuerungsperson, die das gesamte Verfahren überblickt. Solche „Verfahrensmanager:innen“ sorgen für Kontinuität, moderieren Konflikte und behalten Fristen, Rückläufe und Meilensteine im Blick. In den untersuchten Kommunen trug diese Rolle wesentlich dazu bei, Zeit zu sparen und Klarheit zu schaffen . -
Digitalisierung und Dokumentation clever nutzen
Auch wenn viele Kommunen noch nicht vollständig digital planen, helfen digitale Tools bereits heute: Pläne digital abstimmen, Rückmeldungen systematisch erfassen, Fristen transparent machen – all das sorgt für Übersicht und Tempo. Besonders hilfreich: Digitale Checklisten und Projekttools, die alle Beteiligten auf dem Laufenden halten.
Was sagt die Praxis?
Die Studie enthält eine Reihe von Praxisbeispielen, etwa aus Köln, München oder kleineren Kommunen, die erfolgreich innovative Ansätze erprobt haben:
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München setzt auf „Fachstellenrunden“, in denen Konfliktthemen bereits in der Vorphase geklärt werden – mit dabei: Stadtplanungsamt, Umweltreferat, Bauordnungsamt und externe Planer.
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Köln arbeitet mit projektbegleitenden Projektteams, in denen ein Verfahrensmanager die Abstimmungen moderiert und dokumentiert.
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In kleineren Kommunen bewährten sich „Verfahrenslotsen“, die Planungsprozesse in Teilzeit oder nebenamtlich koordinieren – oft mit großem Effekt auf Transparenz und Tempo.
Tempo ist möglich – wenn man es richtig anpackt
Die Studie macht Mut: Ja, Planungsverfahren sind komplex. Aber mit den richtigen Werkzeugen, klarer Kommunikation und Mut zur frühzeitigen Abstimmung lassen sich Verfahren deutlich beschleunigen – ganz ohne Gesetzesänderung. Besonders für Kommunen mit knappen Ressourcen kann es helfen, gezielt auf Moderation, Klarheit und digitale Hilfsmittel zu setzen.
Die vollständige Studie steht als PDF kostenlos zum Download bereit – und bietet auf über 100 Seiten viele weiterführende Empfehlungen, Mustervorlagen und konkrete Fallbeispiele. Eine Lektüre, die sich für kommunale Planungsverantwortliche lohnt.
