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Kommunen investieren stärker in Biodiversität

Eine Sonderbefragung des Deutsches Institut für Urbanistik im Rahmen des KfW-Kommunalpanels zeigt: Biodiversität ist in vielen Kommunen angekommen – nicht nur als Ziel, sondern zunehmend auch im Haushalt. Gleichzeitig bleiben Finanzierung und Personal die größten Bremsklötze.

Die Ausgaben der Kommunen für Biodiversitätsmaßnahmen sind in den vergangenen fünf Jahren deutlich gestiegen. Das geht aus einer aktuellen Sonderbefragung des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) hervor. 57 Prozent der befragten Städte und Gemeinden geben an, heute mehr Geld für diesen Bereich auszugeben als noch im Zeitraum 2020 bis 2024. Für die kommenden fünf Jahre erwarten sogar 52 Prozent einen weiteren Anstieg. Nur neun Prozent rechnen mit sinkenden Ausgaben. Biodiversität entwickelt sich damit zu einem dauerhaften Aufgabenfeld kommunaler Politik.

Besonders deutlich wird der Schwerpunkt bei konkreten Maßnahmen. 85 Prozent der Kommunen sind bei Baumpflanzung und -pflege im Siedlungs- und Straßenraum aktiv. 81 Prozent setzen auf biodiversitätsförderndes Grünflächenmanagement, etwa durch extensivere Pflege, heimische Pflanzen oder den Verzicht auf Herbizide. Diese Maßnahmen gelten als vergleichsweise niedrigschwellig und gut in bestehende Abläufe integrierbar.

Investitionen in Gewässer werden wichtiger 

Auch wasserbezogene und klimaadaptive Maßnahmen spielen eine wichtige Rolle. 58 Prozent der Kommunen haben in den vergangenen Jahren in die Renaturierung oder Neuanlage von Gewässern investiert. Jeweils 56 Prozent nennen naturnahen Hochwasserschutz sowie die Schaffung von Versickerungsflächen für Regenwasser in bebauten Gebieten. Damit zeigt sich ein klarer Zusammenhang zwischen Biodiversität, Klimaanpassung und kommunaler Daseinsvorsorge.

Weniger verbreitet sind hingegen fördernde und vermittelnde Ansätze. Nur 35 Prozent unterstützen Biodiversitätsmaßnahmen von Privathaushalten oder Vereinen, 33 Prozent investieren in Bildungsangebote. Besonders niedrig fällt der Anteil bei Förderungen für private Unternehmen sowie bei Kleingartenanlagen aus. Hier dominiert offenbar weiterhin die Konzentration auf kommunale Flächen und direkte Steuerungsmöglichkeiten.

Trotz der steigenden Ausgaben bleibt die Umsetzung anspruchsvoll. 86 Prozent der Kommunen nennen unzureichende Haushaltsmittel als zentrale Herausforderung. Die Zahlen zeigen damit zweierlei: Biodiversität wird vor Ort ernst genommen – sie konkurriert aber weiterhin mit vielen anderen Pflichtaufgaben. Ob sich der Trend verstetigt, hängt weniger vom Problembewusstsein als von finanziellen und personellen Spielräumen ab.

Zahlen & Befunde auf einen Blick

  • 57 % der Kommunen geben an, in den vergangenen fünf Jahren mehr Geld für Biodiversität ausgegeben zu haben.

  • 52 % rechnen in den kommenden fünf Jahren mit weiter steigenden Ausgaben, nur 9 % erwarten einen Rückgang.

  • 85 % investieren in Baumpflanzung und -pflege im Siedlungs- und Straßenraum.

  • 81 % setzen auf biodiversitätsförderndes Grünflächenmanagement.

  • 58 % haben in Renaturierung oder Neuanlage von Gewässern investiert.

  • 56 % nennen Versickerungsflächen für Regenwasser sowie naturnahen Hochwasserschutz als Maßnahmen.

  • 44 % weiten Grünflächen und Frischluftschneisen aus.

  • 40 % entsiegeln zuvor versiegelte Flächen.

  • 38 % begrünen Dächer und Fassaden öffentlicher Gebäude.

  • Deutlich seltener sind fördernde und vermittelnde Ansätze:

    • 35 % fördern Biodiversitätsmaßnahmen von Privathaushalten oder Vereinen.

    • 33 % investieren in Bildungsangebote.

    • 24 % fördern Kleingartenanlagen.

    • 23 % unterstützen Maßnahmen bei privaten Unternehmen oder in der Land- und Forstwirtschaft.

  • 86 % der Kommunen nennen unzureichende Haushaltsmittel als größte Herausforderung.