Klimaschutz: Kleine Kommunen sind auf dem Weg – und stehen unter Druck
Deutschlands Kommunen sind längst zentrale Akteure im Klimaschutz. Das zeigt die Auswertung eines aktuellen Policy-Papers des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu). 72 Prozent der befragten Städte, Gemeinden und Landkreise verfügen über ein Klimaschutzkonzept, weitere 11 Prozent arbeiten daran. Viele haben sich ehrgeizige Ziele gesetzt – häufig sogar vor dem bundesweiten Zieljahr 2045. Doch der Blick auf die Größenklassen zeigt ein klares Gefälle. Während große Städte fast flächendeckend Konzepte und Personal vorhalten, kämpfen kleine und mittelgroße Gemeinden oft mit knappen Ressourcen. Gerade dort entscheidet sich aber, ob die Energiewende in der Fläche gelingt.
Konzepte ja – Umsetzung oft unter schwierigen Bedingungen
In Städten über 100.000 Einwohnern sind Klimaschutzkonzepte nahezu Standard. Anders sieht es bei Kommunen unter 20.000 Einwohnern aus. Hier haben deutlich weniger Verwaltungen entsprechende Strategien erarbeitet. Ähnlich beim Personal: 87 Prozent aller antwortenden Kommunen beschäftigen mittlerweile Mitarbeitende, die überwiegend Klimaschutzaufgaben übernehmen. In kleinen Gemeinden ist dieser Anteil jedoch spürbar geringer. Dort wird Klimaschutz häufig „mitgemacht“ – zusätzlich zu anderen Aufgaben im Bauamt oder in der Kämmerei. Das bedeutet: Klimaschutz hängt vielerorts vom Engagement Einzelner ab. Fällt eine Stelle weg oder läuft eine Förderung aus, gerät der Prozess ins Stocken.
Erfolge bei Energie – Nachholbedarf im Verkehr
Positiv ist: 73 Prozent der Kommunen haben eine Treibhausgasbilanz erstellt. In 61 Prozent der Kommunen sind die Emissionen in den vergangenen vier Jahren gesunken. Besonders aktiv sind die Kommunen bei ihren eigenen Liegenschaften. 85 Prozent nutzen erneuerbare Energien im Strombereich, 83 Prozent setzen auf Energieeinsparungen. Photovoltaik ist mit Abstand die am häufigsten genutzte Technologie. Doch auch hier zeigt sich: Je größer die Kommune, desto eher liegen belastbare Daten und strategische Ausbauziele vor. Kleine Gemeinden verfügen seltener über konkrete Einspar- oder Ausbauziele für ihre Gebäude. Zudem bleibt der Verkehrsbereich problematisch. 19 Prozent der Kommunen berichten sogar von steigenden Emissionen – vor allem wegen wachsender Pkw-Zahlen. Gerade ländlich geprägte Gemeinden stehen hier vor strukturellen Herausforderungen.
Klimaanpassung wird zur Pflichtaufgabe
Noch deutlicher wird das Gefälle bei der Klimaanpassung. 92 Prozent der Kommunen waren in den vergangenen zehn Jahren von Extremwetter betroffen – Starkregen, Hitze, Hochwasser. Trotzdem haben erst 20 Prozent ein Klimaanpassungskonzept erstellt, weitere 14 Prozent arbeiten daran. In kleinen Gemeinden fehlen häufig Personal und Geld für Risikoanalysen oder Hitzeaktionspläne. Zwar bewässern viele Kommunen ihr öffentliches Grün, setzen auf klimaangepasste Baumarten oder technischen Hochwasserschutz. Doch systematische Strategien sind bislang eher in größeren Städten verbreitet. Mit dem Klimaanpassungsgesetz des Bundes steigt nun der Druck. Länder können Kommunen verpflichten, Anpassungskonzepte zu erstellen. Für kleine und mittelgroße Gemeinden wird das ohne zusätzliche Unterstützung kaum zu stemmen sein.
Kleine Kommunen brauchen starke Partnerschaften
Die Umfrage macht deutlich: Kleine und mittelgroße Gemeinden sind keine Nachzügler aus Gleichgültigkeit. Sie stoßen an strukturelle Grenzen. Interkommunale Kooperationen, gemeinsame Klimamanager-Stellen oder die Zusammenarbeit mit Stadtwerken gewinnen deshalb an Bedeutung. Auch Förderprogramme des Bundes spielen eine zentrale Rolle – etwa bei der Finanzierung von Personalstellen oder Konzepten. Klimaschutz und Klimaanpassung sind längst keine freiwilligen Randaufgaben mehr. Sie betreffen Bauleitplanung, Infrastruktur, Energieversorgung und Katastrophenschutz. Gerade im ländlichen Raum entscheidet sich, ob Deutschland seine Klimaziele erreicht – und ob Städte und Gemeinden resilient gegenüber Hitze, Starkregen und Dürre werden. Die Difu-Zahlen zeigen: Der Wille ist da. Jetzt braucht es verlässliche Strukturen, stabile Finanzierung und realistische Rahmenbedingungen – besonders für die vielen kleinen Rathäuser, die das Rückgrat der kommunalen Ebene bilden.
