Kirchen-Immobilien: Chance für Wohnraum
Mit dem neuen Innovationspreis „Kirche und bezahlbares Wohnen“ will das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen (MLW) erstmals kirchliche Projekte und Initiativen auszeichnen, die auf kreative Weise bezahlbaren Wohnraum schaffen. „Wir wollen mit dem Preis besonders gelungene Projekte sowie gute Ideen sichtbar machen und so die Kirchen und Kommunen landesweit dabei unterstützen, das große kirchliche Potenzial für Wohnraum zu heben“, sagte Ministerin Nicole Razavi bei der Auslobung am Montag. Ziel sei es, Impulse zu setzen, zu zeigen, was möglich ist, und Mut zu machen, vorhandene Potenziale zu nutzen.
5.000 Kirchen-Immobilien werden frei
Der Handlungsbedarf ist groß: Schätzungen zufolge werden in Baden-Württemberg in den nächsten zehn bis 15 Jahren rund 5.000 kirchliche Immobilien und Liegenschaften frei. Diese Flächen und Gebäude bieten vielerorts Chancen für dringend benötigten Wohnraum – sei es durch die Umnutzung bestehender Bauten, die Aktivierung von Leerständen oder den Neubau auf kirchlichem Grund. Die Idee für den Preis entstand im Rahmen des Strategiedialogs „Bezahlbares Wohnen und innovatives Bauen“ des Landes. Dort erarbeiten Kirchenvertreterinnen und -vertreter gemeinsam mit dem Ministerium Konzepte, wie kirchliche Ressourcen stärker in die Wohnraumversorgung eingebunden werden können.
Bewerbungen bis 12. Oktober möglich
Das Land stellt ein Gesamtpreisgeld von 50.000 Euro zur Verfügung. Wie es verteilt wird, hängt von der Zahl und Qualität der Bewerbungen ab. „Wir betreten hier Neuland“, so Razavi, „und ich bin sehr gespannt, welche Projekte und Initiativen wir mit diesem Preis zutage fördern.“ Über die Preisträger entscheidet eine Fachjury. Bewerbungen sind bis zum 12. Oktober 2025, 23:59 Uhr, ausschließlich per E-Mail an wohnraumoffensive@mlw.bwl.de möglich. Alle Details und Anforderungen sind in den Ausschreibungsunterlagen auf der Website des Ministeriums zu finden.
Die Preisverleihung findet noch in diesem Jahr im Rahmen einer Netzwerkveranstaltung statt. Neben der Ehrung der Preisträgerinnen und Preisträger ist auch eine begleitende Ausstellung geplant. Ziel ist es, die richtigen Akteure zusammenzubringen und gelungene Beispiele bekannt zu machen – als Inspiration für andere Kommunen, Initiativen und Bauprojekte.
Reaktionen aus der Politik
Der wohnungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Jonas Hoffmann, begrüßt den Schritt: „Endlich sieht die Landesregierung ein, dass unsere Vorschläge zur Wohnpolitik Hand und Fuß haben.“ Bereits im März hatte seine Fraktion betont, dass ehemalige Liegenschaften der Kirchen sich oft ideal für den Bau von Wohnprojekten eignen. Hoffmann fordert jedoch weitergehende Schritte – von einer geänderten Vergabesystematik für Fördergelder bis hin zu steuerlichen Erleichterungen für junge Käuferinnen und Käufer. Die ausgelobten 50.000 Euro hält er für „nur symbolisch“.
