Weniger Kinder in Kitas und Tagespflege
Immer weniger Kinder unter sechs Jahren werden in Baden-Württemberg in Kindertageseinrichtungen oder öffentlich geförderter Kindertagespflege betreut. Zum Stichtag 1. März 2026 waren es landesweit 406.450 Kinder. Damit ging ihre Zahl das zweite Jahr in Folge zurück. Einen wesentlichen Grund dafür sieht das Statistische Landesamt im anhaltenden Geburtenrückgang.
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei den Kleinsten: Die Zahl der betreuten Kinder unter drei Jahren nahm gegenüber dem Vorjahr um 5.068 beziehungsweise 5,2 Prozent ab. Bei den Drei- bis unter Sechsjährigen fiel der Rückgang mit 2.283 Kindern beziehungsweise 0,7 Prozent deutlich geringer aus. Gleichzeitig stieg die Betreuungsquote aller unter Sechsjährigen auf 65,0 Prozent und damit auf einen neuen Höchststand. Bei den unter Dreijährigen sank sie leicht auf 31,7 Prozent, während sie bei den Drei- bis unter Sechsjährigen auf 94,1 Prozent zunahm.
Geburtenzahlen seit 2021 stark gesunken
Der mit Abstand größte Teil der Kinder wird in Kindertageseinrichtungen wie Krippen, Kindergärten oder altersgemischten Einrichtungen betreut. Zum Stichtag waren dort 389.379 Kinder unter sechs Jahren untergebracht. Vor allem in der U3-Betreuung macht sich der Rückgang bemerkbar. In Kindertageseinrichtungen wurden 2026 noch 76.646 Kinder unter drei Jahren betreut. Das waren 4.032 beziehungsweise 5,0 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Bei den Drei- bis unter Sechsjährigen wurde erstmals seit zehn Jahren ebenfalls ein Minus registriert: 312.733 Kinder dieser Altersgruppe besuchten eine Tageseinrichtung, 1.731 beziehungsweise 0,6 Prozent weniger als 2025.
Noch deutlicher fällt der Rückgang in der öffentlich geförderten Kindertagespflege aus. Zum 1. März wurden dort 17.792 Kinder unter sechs Jahren betreut. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Minus von 8,7 Prozent.
Für Städte und Gemeinden könnte der Rückgang der Kinderzahlen zumindest teilweise für Entlastung sorgen. Über Jahre waren vielerorts Kita-Plätze knapp, hinzu kam ein erheblicher Fachkräftemangel. Inzwischen zeichnet sich regional jedoch eine Trendwende ab: In einzelnen Kommunen gibt es wieder freie Plätze, mancherorts werden wegen sinkender Anmeldezahlen sogar Gruppen oder Einrichtungen infrage gestellt. Beispielsweise berichten die Stadt Ravensburg sowie Kommunen im Ostalbkreis bereits von einer entspannteren Auslastung.
Für die Kommunen verändert der Geburtenrückgang auch die Bedarfsplanung. Sie müssen stärker abwägen, wie viele Plätze, Gruppen und Einrichtungen künftig tatsächlich benötigt werden und wo weiterhin Ausbau notwendig ist. Von einer flächendeckenden Entspannung kann bislang allerdings keine Rede sein. Die Kommunen müssen weiterhin ausreichend Kapazitäten vorhalten und zugleich flexibel auf die örtliche Nachfrage reagieren.
Dass trotz sinkender Kinderzahlen die Betreuungsquote insgesamt steigt, hängt auch mit der demografischen Entwicklung zusammen. Baden-Württemberg verzeichnet seit einigen Jahren einen deutlichen Geburtenrückgang. Wurden 2021 noch 113.534 Kinder geboren, waren es 2025 nur noch 94.061 – knapp 19.500 weniger innerhalb von vier Jahren. Auch die durchschnittliche Kinderzahl je Frau ging zurück und lag 2025 bei 1,35; 2021 waren es noch 1,63.
Die rückläufigen Geburtenzahlen erreichen damit zunehmend die Kindertagesbetreuung. Mittelfristig dürfte sich diese Entwicklung auch in den Schulen bemerkbar machen.
Baden-Württemberg bundesweit mit höchstem Anteil an Minderjährigen, viele auf dem Land
Trotz dieser Entwicklung hat Baden-Württemberg im Vergleich der Bundesländer weiterhin einen hohen Anteil junger Menschen. Ende 2025 lebten knapp 1,94 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren im Land. Sie machten 17,2 Prozent der Bevölkerung aus – nach Angaben des Statistischen Landesamtes der höchste Anteil unter allen Bundesländern.
Langfristig zeigt sich allerdings auch hier eine gegenläufige Entwicklung. Seit 1981 ist die Gesamtbevölkerung Baden-Württembergs um 21 Prozent gewachsen, während die Zahl der Kinder und Jugendlichen im gleichen Zeitraum um 10,5 Prozent zurückging. Entsprechend ist auch ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung über die Jahrzehnte gesunken. Lediglich zwischen 2013 und 2021 lag er geringfügig unter dem Wert von 2025.
Innerhalb des Landes bestehen zudem deutliche regionale Unterschiede. Den höchsten Minderjährigenanteil verzeichnete Ende 2025 der Landkreis Tuttlingen mit 19,0 Prozent, gefolgt vom Landkreis Biberach mit 18,8 Prozent und dem Alb-Donau-Kreis mit 18,6 Prozent. Am anderen Ende standen die Stadtkreise Karlsruhe mit 14,2 Prozent, Heidelberg mit 14,4 Prozent und Baden-Baden mit 14,9 Prozent. Auffällig ist, dass die drei höchsten Minderjährigenanteile in eher ländlich geprägten Kreisen gemessen wurden.