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Fast jede zweite Kommune plant schon – Baden-Württemberg vorneweg

Bis Mai 2025 hatten fast die Hälfte aller deutschen Gemeinden mit einem Wärmeplan begonnen, knapp fünf Prozent sind sogar schon fertig, zeigt eine neue BBSR-Studie. Damit wird die kommunale Wärmewende greifbar – wenn auch mit großen regionalen Unterschieden. Besonders Baden-Württemberg hat durch ein eigenes Klimaschutzgesetz früh Tempo gemacht und liegt bundesweit an der Spitze.

Die Wärmewende ist eine der größten kommunalen Aufgaben der kommenden Jahre. Heizungen und Wärmenetze tragen noch immer erheblich zu den deutschen CO₂-Emissionen bei – entsprechend wichtig ist die Transformation hin zu klimaneutralen Lösungen. Mit dem Wärmeplanungsgesetz des Bundes (WPG), das seit Januar 2024 gilt, gibt es erstmals einheitliche Vorgaben. Doch wie weit sind die Kommunen tatsächlich? Eine neue Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) liefert Antworten – und zeigt: Deutschland ist auf dem Weg, aber das Tempo ist sehr unterschiedlich.

Bundesweiter Status quo

Laut BBSR haben bis Anfang Mai 2025 insgesamt 5.085 Gemeinden (47,2 Prozent) mit der Erstellung eines kommunalen Wärmeplans begonnen. 488 Gemeinden (4,5 Prozent) sind bereits fertig. Damit existieren in fast jedem zweiten Rathaus konkrete Überlegungen, wie die künftige Wärmeversorgung aussehen soll. Für die Bevölkerung heißt das: Zwei Drittel der Menschen in Deutschland leben schon in Kommunen, die an der Wärmeplanung arbeiten oder sie abgeschlossen haben.

Besonders bemerkenswert: Viele kleinere Städte und Gemeinden gehen früher in die Planung als gesetzlich vorgeschrieben. Eigentlich haben alle Kommunen unter 100.000 Einwohnern Zeit bis Juni 2028, um einen Wärmeplan vorzulegen. Doch schon heute ist fast die Hälfte von ihnen aktiv. Das zeigt, dass die Wärmewende in vielen Kommunen nicht aufgeschoben, sondern als dringende Zukunftsaufgabe verstanden wird.

Baden-Württemberg als Vorreiter

Am weitesten ist die Wärmeplanung in Baden-Württemberg. Dort hatten Landtag und Landesregierung bereits 2021 eigene Vorgaben beschlossen. Stadtkreise und große Kreisstädte mussten ihre Pläne bis Ende 2023 vorlegen. Diese frühe landesrechtliche Verpflichtung zeigt Wirkung: 261 Kommunen – fast ein Viertel aller Gemeinden im Südwesten – haben ihren Wärmeplan bereits fertig. Weitere 423 Gemeinden befinden sich im Prozess. Zusammen sind damit rund 85 Prozent der Landesbevölkerung von aktiver Wärmeplanung erfasst.

Die Landesregierung in Stuttgart unterstützte zudem kleinere Gemeinden schon vor Inkrafttreten des Bundesgesetzes über ein eigenes Förderprogramm. Inzwischen gilt Baden-Württemberg bundesweit als Modellfall, wie Landesgesetze, klare Fristen und flankierende Förderungen den Prozess beschleunigen können.

Regionale Unterschiede

Ganz anders ist das Bild in Bundesländern, die später gestartet sind. In Bayern etwa gibt es zwar mehr als 2.000 Kommunen, doch nur 28 Wärmepläne sind bisher abgeschlossen. In Schleswig-Holstein wiederum liegt der Anteil fertiger Pläne zwar nur bei 3,2 Prozent, diese decken aber fast die Hälfte der Bevölkerung ab – weil große Mittel- und Oberzentren ihre Arbeit bereits abgeschlossen haben. Nordrhein-Westfalen wiederum profitiert von seiner Struktur mit vielen einwohnerstarken Städten: Über 80 Prozent der Kommunen dort sind schon aktiv. Diese Unterschiede zeigen, dass die Wärmewende nicht nur eine Frage bundesrechtlicher Fristen ist, sondern auch von Landesgesetzen, Förderkulissen und der kommunalen Struktur abhängt.

Kleinere setzen auf Kooperation

Deutschland ist kommunal stark kleinteilig: 85 Prozent der Gemeinden haben weniger als 10.000 Einwohner. Gerade für sie ist Wärmeplanung allein oft kaum leistbar – sei es finanziell oder organisatorisch. Die Studie zeigt deshalb, dass interkommunale Zusammenarbeit stark zunimmt. Mehr als 2.200 Gemeinden planen im Gemeindeverband, weitere 850 haben sich in sogenannten „Konvois“ zusammengeschlossen – freiwilligen Zusammenschlüssen, die nicht an Verwaltungsgrenzen gebunden sind, sondern an funktionale Räume wie gemeinsame Wärmenetze oder Versorgungsgebiete.

Für die kommunale Praxis heißt das: Wer Kooperation sucht, kann Synergien nutzen und Kosten sparen. Für Bürgermeisterinnen und Bürgermeister kleiner Gemeinden ist es daher entscheidend, frühzeitig Partner zu finden.

Doppelte Herausforderung 

Die BBSR-Studie macht deutlich: Die kommunale Wärmeplanung nimmt Fahrt auf. Fast jede zweite Gemeinde ist bereits dabei – viele sogar früher, als sie müssten. Baden-Württemberg sticht mit klaren Vorgaben und vielen abgeschlossenen Plänen hervor. Doch auch in anderen Ländern wächst der Druck: Bis spätestens Mitte 2028 müssen alle Gemeinden liefern.

Für die Kommunen bedeutet das eine doppelte Herausforderung: Sie müssen nicht nur Pläne erstellen, sondern auch tragfähige Umsetzungen vorbereiten – vom Ausbau klimaneutraler Wärmenetze über die Einbindung von Abwärme bis hin zur Förderung individueller Heizungsalternativen. Die Studie zeigt: Die Wärmewende ist längst eine kommunale Aufgabe. Sie entscheidet sich nicht in Berlin, sondern in den Rathäusern.