Erste Expressbrücke ist fertig
Die erste Expressbrücke Baden-Württembergs ist fertig. In etwas mehr als vier Monaten wurde die alte Murrbrücke bei Marbach abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Der reine Bau der neuen Brücke dauerte nach Angaben des Regierungspräsidiums Stuttgart lediglich 75 Tage. Nach Abschluss letzter Arbeiten war die Verkehrsfreigabe der Landesstraße 1100 für den 11. Oktober vorgesehen.
Das 49 Meter lange Bauwerk wurde größtenteils aus vorgefertigten Elementen zusammengesetzt. Statt die tragenden Teile auf der Baustelle zu betonieren, wurden sie als fertige Module angeliefert und mit einem Kran eingesetzt. Rund 80 Prozent der Brücke entstanden auf diese Weise. Zugleich wurde das Bauwerk von zwei auf vier Fahrstreifen verbreitert, um auch den angrenzenden Knotenpunkt mit der Landesstraße 1138 Richtung Benningen leistungsfähiger zu machen.
Ursprünglich sollte neben der alten Brücke zunächst eine neue Hälfte errichtet werden. Anschließend wäre der Bestand abgerissen und die zweite Hälfte gebaut worden. Dieses Vorgehen hätte mit halbseitigen Sperrungen und einzelnen Vollsperrungen etwa zwei Jahre gedauert. Stattdessen wurde die Straße für rund zweieinhalb Monate vollständig gesperrt. In dieser Zeit wurden neben der Brücke auch die Oehlerkreuzung und angrenzende Abschnitte der L 1100 ausgebaut und saniert.
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Kürzere Bauzeit, geringerer Eingriff
Die konzentrierte Bauphase sollte außerdem den Eingriff in die Natur verringern. Die Brücke liegt in einem sensiblen Bereich nahe der Mündung der Murr in den Neckar. Bei einem konventionellen Neubau neben der bestehenden Brücke wären zusätzliche Flächen und eine deutlich längere Baustelleneinrichtung notwendig gewesen. Die Schnellbauweise verkürzte die Belastung des Uferbereichs erheblich.
Die alte Murrbrücke stammte aus dem Jahr 1956. Sie wies altersbedingte Schäden auf und enthielt Spannstahl, der als anfällig für Spannungsrisskorrosion gilt. Das Land will die Erfahrungen aus Marbach nun für weitere Vorhaben auswerten. Bis 2030 sollen in Baden-Württemberg rund 180 Brücken saniert oder modernisiert werden. „Wir müssen die Erfahrungen daraus nutzen, um auch die vielen weiteren Brücken, die in den kommenden Jahren erneuert werden müssen, zügig und effizient zu ersetzen“, erklärte Verkehrsministerin Nicole Razavi.
Nicht jede Brücke eignet sich für das Expressverfahren. Maßgeblich sind unter anderem Lage, Spannweite, Verkehrsbelastung und mögliche Umleitungsstrecken. Auch die unmittelbaren Baukosten können durch den hohen Fertigteilanteil steigen. Dem stehen kürzere Sperrungen, weniger Umleitungsverkehr und geringere Eingriffe in die Umgebung gegenüber.