Bauwirtschaft erholt sich
Im ersten Halbjahr 2025 hat die deutsche Bauwirtschaft überraschend stark zugelegt. Die Auftragseingänge stiegen sowohl nominal als auch preisbereinigt deutlich an, und auch die Umsätze legten leicht zu. Besonders stark fiel der Zuwachs im Tiefbau aus, der vor allem durch umfangreiche öffentliche Investitionen in die Energie- und Verkehrsinfrastruktur profitiert. Diese Gelder wirken derzeit wie ein Motor für den Sektor: Neue Projekte im Bereich Straßenbau, Energieleitungen und Schienenwege sichern den Unternehmen Aufträge und geben der Branche Auftrieb. Damit wird sichtbar, dass staatliche Ausgaben in Krisenzeiten eine entscheidende stabilisierende Rolle für die Bauwirtschaft spielen können.
Tiefbau profitiert, Hochbau noch verhalten
Die Zahlen stammen vom Statistischen Bundesamt, das regelmäßig die Entwicklung im Baugewerbe auswertet. Einschätzungen zur wirtschaftlichen Bedeutung und zur weiteren Entwicklung kamen außerdem von Ökonomen, unter anderem vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). Dessen Direktor Sebastian Dullien betonte, dass die jüngsten Daten auf eine bevorstehende Trendwende hindeuten und insbesondere staatliche Investitionen im Tief- und Nichtwohnungsbau für die Stabilisierung der Branche entscheidend seien.
Im Hochbau zeigt sich hingegen nur eine verhaltene Erholung. Zwar gab es auch hier ein Plus bei den Auftragseingängen, doch das Niveau liegt weiterhin deutlich unter dem Stand von 2022. Viele Bauherren halten sich angesichts hoher Zinsen und wirtschaftlicher Unsicherheit zurück, weshalb insbesondere der Wohnungsbau schwächelt. Hier könnten gezielte staatliche Programme oder zusätzliche Förderungen den entscheidenden Unterschied machen, um wieder Dynamik in den Markt zu bringen.
Wenige öffentliche Projekte in den Kommunen
Gleichzeitig wird aber auch die Kehrseite der Abhängigkeit von öffentlichen Mitteln sichtbar: Finanzielle Engpässe vieler Städte und Gemeinden sowie Auftragsstopps bei großen öffentlichen Projekten, etwa bei der Autobahn GmbH, haben im Juni bereits zu einem leichten Rückgang der Auftragseingänge geführt. Solche Verzögerungen verdeutlichen, wie sensibel die Baukonjunktur auf die Verfügbarkeit und Planung öffentlicher Gelder reagiert.
Dennoch sind die Aussichten insgesamt positiv. Die Experten gehen davon aus, dass die kräftigen Investitionen in Infrastruktur und Energiewende in den kommenden Quartalen eine nachhaltige Erholung einleiten werden. Besonders im Tief- und im Nichtwohnungsbau dürfte dieser Trend spürbar werden. Spätestens zum Jahreswechsel 2025/2026 rechnen Ökonomen damit, dass sich die Branche insgesamt stabilisiert. Damit zeigt sich: Die Entwicklung im Baugewerbe hängt in hohem Maß davon ab, wie entschlossen Bund, Länder und Kommunen ihre Investitionsprogramme fortführen – öffentliche Gelder scheinen zumindest derzeit ein entscheidender Faktor für die weitere Erholung.
