Allianz für KI in der Verwaltung
Vergangene Woche hat eine Entwicklung für Aufsehen gesorgt, die Auswirkungen auf die Digitalisierungsprozesse der Verwaltungen haben dürfte: Der Softwarekonzern SAP mit Hauptquartier in Walldorf im Rhein-Neckar-Kreis verkündete eine Partnerschaft mit OpenAI, der Firma, die mit ChatGPT eine der erfolgreichsten Anwendungen im Sektor der Künstlichen Intelligenz hervorgebracht hat.
Gemeinsam wollen die Unternehmen eine speziell auf Deutschland zugeschnittene Version des Chatbots ChatGPT entwickeln, die „höchsten Anforderungen an Datenschutz, Datensouveränität und regulatorische Sicherheit entspricht“. Sie soll künftig in Forschungseinrichtungen, aber vor allem in Behörden und öffentlichen Verwaltungen eingesetzt werden.
Antwort auf Datenschutz-Hürden bei der Verwaltungsdigitalisierung
Die Zusammenarbeit soll dazu beitragen, Sicherheitsbedenken und rechtliche Unsicherheiten bei der Nutzung von US-Technologien wie Künstlicher Intelligenz innerhalb von Behörden auszuräumen. Genau diese Bedenken gelten als einer der Hauptgründe dafür, dass die Digitalisierung der Verwaltung in Deutschland seit Jahren nur schleppend vorankommt.
Ein zentrales Problem sind dabei die bislang unzureichenden datenschutzrechtlichen Rahmenbedingungen: Zwar versprechen Konzerne wie Google oder Microsoft, Daten sicher zu verwahren, gleichzeitig behalten sie sich jedoch vor, diese auf Anfrage an US-Behörden weiterzugeben – ein Zugriff, auf den auch Geheimdienste zurückgreifen können.
Um dem entgegenzuwirken, hat die EU-Kommission digitale Souveränität zu einem zentralen politischen Ziel erklärt. Darunter versteht man die Fähigkeit von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft, digitale Technologien selbstbestimmt, sicher und ohne kritische Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern oder fremden Staaten zu nutzen. Die EU fördert daher Initiativen, die europäische Infrastruktur, eigene Cloud-Angebote und den Ausbau von Schlüsseltechnologien voranbringen soll. Langfristig soll so ein Gegengewicht zu den dominierenden US- und chinesischen Tech-Konzernen geschaffen werden.
Digitale Souveränität soll gewahrt bleiben
Die Kooperation von OpenAI und SAP gilt laut Experten als ein wichtiger Schritt, digitale Souveränität auch im Bereich der Infrastruktur zu stärken. Mit diesem Vorstoß will SAP nach eigenen Angaben die technische und regulatorische Lücke zwischen globalen KI-Angeboten und den spezifischen Anforderungen des deutschen und europäischen öffentlichen Sektors schließen.
Ziel sei es laut SAP, KI-Anwendungen besser in deutsche Verwaltungsstrukturen zu integrieren und dabei höchste Anforderungen an Datenschutz, Datensouveränität und regulatorische Compliance zu erfüllen. Technisches Fundament ist eine Cloud-Infrastruktur, die Anwendungen und Daten ausschließlich in europäischen Rechenzentren verarbeitet und speichert. Damit bleiben sie nur auf EU-Territorium – und sind vor einem möglichen Zugriff ausländischer Geheimdienste geschützt. Die Partnerschaft soll sicherstellen, dass Daten in Deutschland bleiben beziehungsweise unter Kontrolle der Behörden stehen, während EU- und nationale Datenschutz- sowie Sicherheitsstandards integraler Bestandteil des Designs sind.
Von Aktenführung bis Routineaufgaben: Bahn frei für KI in der Verwaltung?
Die geplante „OpenAI für Deutschland“-Lösung soll öffentliche Verwaltungen, Behörden und Forschungseinrichtungen befähigen, KI direkt in ihre bestehenden Prozesse zu integrieren. Dazu gehören etwa automatisierte Aktenführung und Dokumentenmanagement, Analyse administrativer Daten sowie die Nutzung von KI-Agenten, die Routineaufgaben übernehmen und Prozesse beschleunigen. Mitarbeiter sollen entlastet werden, indem sich wiederholende Tätigkeiten reduziert und Kapazitäten für anspruchsvollere Aufgaben freigesetzt werden. Zugleich soll die Plattform individuelle Public-Sector-Anwendungen ermöglichen: Behörden können Lösungen maßschneidern, die genau auf ihre Fachaufgaben zugeschnitten sind, und KI-Agenten in vorhandene Verwaltungssysteme einbetten.
Die SAP-OpenAI-Partnerschaft ist Teil einer übergeordneten Strategie von SAP, speziell für Verwaltungen KI-Lösungen bereitzustellen und den öffentlichen Sektor zu modernisieren. SAP arbeitet bereits mit Städten und Gemeinden zusammen, um Verwaltungsprozesse zu digitalisieren. Ein Beispiel ist die Kooperation mit Komm.ONE in der Gemeinde Malsch im Rhein-Neckar-Kreis, wo derzeit eine Cloud-Infrastruktur und digitale Services erprobt werden. (Zu diesem Pilotprojekt finden Sie ein Update in der Oktoberausgabe des die:gemeinde-Magazins, die am 8. Oktober erscheint.).
Kritik an BSI-Kooperation mit Google
Erst kürzlich machte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Schlagzeilen, als es eine Partnerschaft mit Google bekanntgab. Ziel der Zusammenarbeit ist es, gemeinsam sichere Cloud-Lösungen für deutsche Behörden zu entwickeln. Nach Angaben des BSI sollen damit moderne und leistungsfähige digitale Dienste bereitgestellt werden, bei gleichzeitiger Einhaltung hoher Sicherheitsstandards. Die Behörde betont zudem, dass trotz der Kooperation mit einem US-Konzern die Hoheit über die Daten in Deutschland gewährleistet bleibe.
Dennoch stieß dieser Schritt auf deutliche Kritik. Fachverbände und IT-Experten sehen in der Zusammenarbeit ein Risiko für die digitale Souveränität, da sie die Abhängigkeit von US-Anbietern weiter verstärke. Gerade in einem sicherheitsrelevanten Bereich wie der staatlichen IT-Infrastruktur sei es problematisch, zentrale Schlüsseltechnologien von ausländischen Unternehmen abhängig zu machen.
