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Aktionsplan für Mobilität, Klima- und Lärmschutz

2. März 2026
Klimaschutz, Lärmminderung und eine zukunftsfähige Mobilitätsentwicklung stellen Kommunen vor wachsende Herausforderungen. Mit dem Aktionsplan für Mobilität, Klima- und Lärmschutz für kleine und mittlere Kommunen in Baden-Württemberg stellt das Land ein praxisnahes Instrument zur Verfügung. Es unterstützt Kommunen dabei, diese komplexen Aufgaben strukturiert, integriert und umsetzungsorientiert anzugehen. Unsere Gastautoren Tobias Vogt und Sören Bröcker geben einen Überblick über Inhalte, Mehrwerte und Erfahrungen aus der kommunalen Praxis.

Was ist der Aktionsplan für Mobilität, Klima- und Lärmschutz?

Die Anforderungen an Kommunen wachsen: Klimaschutz, Lärmminderung und eine nachhaltige Siedlungs- und Mobilitätsentwicklung müssen zunehmend gleichzeitig gedacht und umgesetzt werden – und das unter knappen finanziellen und organisatorischen Rahmenbedingungen.

Das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg stellt mit dem Aktionsplan für Mobilität, Klima- und Lärmschutz für kleine und mittlere Kommunen ein passendes Instrument zur Verfügung. Es unterstützt Kommunen, die komplexen Anforderungen in einem kompakten und zielgerichteten Prozess von 9-12 Monate anzugehen – von der Analyse der Verkehrssituation über die Entwicklung von Leitbildern und Zielen bis hin zur Priorisierung und Umsetzung konkreter Maßnahmen.

Als Handlungsrahmen für die kommunale Mobilitätsplanung hilft der Aktionsplan, ökologische, ökonomische, soziale und städtebauliche Ziele miteinander zu verbinden, Einzelmaßnahmen sinnvoll aufeinander abzustimmen und so deren Effektivität zu erhöhen sowie langfristig tragfähige Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig macht er Zielkonflikte sichtbar, stärkt durch die Einbindung relevanter Akteurinnen und Akteure aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Öffentlichkeit die Akzeptanz und erleichtert als qualifiziertes Fachkonzept den Zugang zu Fördermitteln aus dem Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGVFG).

Stimmen von Kommunen

Wie der Aktionsplan für Mobilität, Klima- und Lärmschutz in der kommunalen Praxis wahrgenommen wird, zeigt sich insbesondere im direkten Austausch mit den Anwenderinnen und Anwendern vor Ort. Die zuständigen Verantwortlichen aus Aldingen, Weinheim und Remshalden haben ihre Perspektiven eingebracht und den Aktionsplan für Mobilität, Klima- und Lärmschutz aus praktischer Sicht bewertet.

Die folgenden Stimmen geben Einblick in ihre Einschätzungen: Welche Aspekte machen den Aktionsplan attraktiv, welche Herausforderungen sehen diese Kommunen bei der Erarbeitung und welchen Mehrwert erwarten sie für ihre Kommune.



Was macht den Aktionsplan für Mobilität, Klima- und Lärmschutz aus Ihrer Sicht attraktiv?

Für uns war besonders attraktiv, dass die Themen Mobilität, Klima- und Lärmschutz ganzheitlich betrachtet werden. Damit konnten teilweise bereits vorhandene Einzelkonzepte wie beispielsweise unser Radschutzstreifenkonzept oder städtebauliche Studien einer Studentengruppe der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt, Nürtingen in einem gemeinsamen Werk vereint und mit zusätzlichen Maßnahmenpaketen beispielsweise zur Barrierefreiheit und Schulwegplanung ergänzt werden.

Marc Krasser (Bauamt, Aldingen, Anm.: Die Gemeinde Aldingen hat den Aktionsplan für Mobilität, Klima- und Lärmschutz im Dezember 2025 fertiggestellt und die Umsetzung vom Gemeinderat beschlossen.)

Nur mit einer strukturierten Betrachtung der Mobilität in einer Kommune sind zielgerichtete Maßnahmen möglich. Eine hohe Umsetzungsorientierung und Beteiligungsformate sind elementar für den Erfolg und die Zielerreichung. Die Unterstützungsangebote des Landes und Leitfäden, sowie die Förderung tragen sehr dazu bei, die Erstellung zu vereinfachen.

Tanja Franke (Amt für Stadtentwicklung, Weinheim, Anm.: Die Stadt Weinheim ist in den Entzügen der Erstellung ihres “nachhaltigen Mobilitätsplans”. Dieser ist an den Grundsätzen des Aktionsplans für Mobilität, Klima- und Lärmschutz angelehnt.)

Die Attraktivität des Aktionsplans besteht in der Verknüpfung aus Klimaschutzmaßnahmen im Verkehr selbst zusammen mit der Steigerung der Aufenthaltsqualität in der Kommune und der Möglichkeit zur Maßnahmenumsetzung durch einen erleichterten Zugang zu Fördermitteln.

Marvin Roth (Stadtplanung, Remshalden, Anm.: Die Stadt Remshalden ist mitten im Erstellungsprozess des Aktionsplans für Mobilität, Klima- und Lärmschutz.)

Welche Herausforderungen gilt es aus Ihrer Sicht bei der Erarbeitung des Aktionsplans zu bewältigen?



Als kleine Gemeinde können wir wesentliche Bereiche wie den ÖPNV oder verkehrsrechtliche Anordnungen nicht selbst festlegen, sondern sind auf unsere übergeordneten Akteure angewiesen.  Es ist immer spannend, wie die Bevölkerung zum Mitmachen animiert werden kann – wir haben hierzu das kostenlose Angebot des Landes, die temporäre Umgestaltung der Ortsmitte durch Stadtmöblierung genutzt, um auf den Aktionsplan aufmerksam zu machen (https://www.aktivmobil-bw.de/ortsmitten/lebendige-ortsmitten-fuer-bw/seite).

Marc Krasser (Bauamt, Aldingen)

Eine zielgerichtete Beteiligung ist grundlegend für den Erfolg eines Aktionsplans. Die Vorbereitung muss dabei sehr gründlich und zielorientiert erfolgen und nimmt dabei entsprechende Ressourcen in Anspruch, die bereits bei der Planung des Prozesses berücksichtigt werden müssen. Darüber hinaus lohnt es sich, in die Planung des Prozesses im Vorfeld zu investieren, um dann den Ablauf reibungslos durchführen zu können.

Tanja Franke (Amt für Stadtentwicklung, Weinheim)

Welchen Mehrwert kann der Aktionsplan aus Ihrer Sicht für die Kommune schaffen?

Wir erhoffen uns durch den Aktionsplan eine Leitlinie im Bereich klima- und lärmschutzgerechter Mobilität in unserer Gemeinde für die kommenden 10 bis 15 Jahre. Schnell umzusetzende Maßnahmen sind dabei ebenso wichtig, wie langfristige Maßnahmen dauerhaft zu verfolgen. Eine Erfolgskontrolle der umgesetzten Maßnahmen ist dabei wesentlich. Als Mitglied der „Nachhaltigkeitsregion FÜNF G“ ist nachhaltiges Handeln unser Antrieb.

Marc Krasser (Bauamt, Aldingen)

Ein Aktionsplan trägt dazu bei, dass die Ziele der Kommune erreicht werden können. Er gibt der Kommune für die nächsten Jahre ein Werkzeug in die Hand, erforderliche Veränderungen angehen zu können und zu realisieren. Insbesondere in Zeiten knapper finanzieller Ressourcen ist das Aufzeigen von zielführenden Umsetzungspfaden und Prioritäten sehr hilfreich.

Tanja Franke (Amt für Stadtentwicklung, Weinheim)

Erleichterter Zugang zu Fördermitteln sowie das Aufzeigen des notwendigen Handlungsbedarfes für die Zielerreichung.

Marvin Roth (Stadtplanung, Remshalden)

Angebote rund um den Aktionsplan für Mobilität, Klima- und Lärmschutz

Das Kompetenznetz Klima Mobil ist Teil der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) und unterstützt Kommunen bei der Entwicklung sowie Umsetzung des Aktionsplans für Mobilität, Klima- und Lärmschutz. Es bietet fachliche Beratung, praxisnahe Informationen, Vernetzung mit anderen Kommunen sowie Orientierung zu Fördermöglichkeiten im Bereich Mobilität und Klimaschutz. Weitere Informationen zum Kompetenznetz Klima Mobil finden Sie unter www.klimaschutz‑bewegt.de

Die Unterstützungsangebote umfassen unter anderem folgende Punkte:

Darüber hinaus beraten die Regierungspräsidien Kommunen zu förderspezifischen Themen in Verknüpfung mit dem Aktionsplan für Mobilität, Klima- und Lärmschutz wie der Förderung qualifizierter Fachkonzepte und dem LGVFG (Mehr Infos hier: https://rp.baden-wuerttemberg.de/themen/wirtschaft/foerderungen/fb88/foerderung-qualifizierter-fachkonzepte/). 

Fazit

Der Aktionsplan für Mobilität, Klima- und Lärmschutz ist ein zentraler Hebel für mehr Klimaschutz, weniger Lärm und eine zukunftsfähige Mobilität für kleine und mittlere Kommunen. Er bietet einen kompakten und zielgerichteten Handlungsrahmen, um ökologische, ökonomische soziale und städtebauliche Ziele zu verbinden und ihre Mobilitätsplanung ganzheitlich auszurichten. Durch die strukturierte Vorgehensweisekönnen Kommunen Entscheidungen ressourceneffizient vorbereiten und realisieren sowie die Wirksamkeit von Maßnahmen erhöhen.

Mit einer Förderung der Planerstellung von aktuell bis zu 75 Prozent (Förderung qualifizierter Fachkonzepte), einer Förderung von 50-75 Prozent für die Maßnahmenumsetzung (LGVFG) sowie praxisnahen Arbeitshilfen und Vernetzungsangeboten bietet das Land ein umfassendes Unterstützungsangebot.

Der Weg zum Aktionsplan für Mobilität, Klima- und Lärmschutz
Der Weg zum Aktionsplan für Mobilität, Klima- und Lärmschutz.                   © Kompetenznetz Klima Mobil

Die Gastautoren

Tobias Vogt, NVBW – Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg mbH Sören Bröcker, NVBW - Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg mbH
Tobias Vogt & Sören Bröcker sind als Verkehrsplaner bei der  NVBW (Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg)  tätig.