Wasserversorgung: Regional wächst der Druck
Die Trinkwasserversorgung in Baden-Württemberg ist derzeit weitgehend gesichert. Die Folgen des trockenen Sommers fallen regional jedoch sehr unterschiedlich aus. Während große Städte und die Fernwasserversorger von einer stabilen Lage berichten, stehen vor allem Gemeinden unter Druck, die überwiegend oder ausschließlich auf örtliche Quellen angewiesen sind.
Besonders deutlich zeigt sich dies im Schwarzwald. Der Versorger Badenova berichtete den „Badischen Neuesten Nachrichten“ (Ausgabe vom 12.8.) von stark zurückgehenden Quellschüttungen. Betroffen seien vor allem Kommunen, die ihr Trinkwasser überwiegend oder vollständig aus Quellwasser gewinnen. Der hohe Tagesverbrauch treffe dort auf eine angespannte Versorgungslage.
Badenova bereitet sich nach eigenen Angaben auf mögliche Engpässe vor. Dazu gehört auch die organisatorische Vorbereitung von Wassertransporten per Lastwagen. Zugleich ruft das Unternehmen die Bevölkerung zum sparsamen Umgang mit Trinkwasser auf. Auf die Bewässerung privater Gärten, das Befüllen von Pools und private Autowäschen sollte möglichst verzichtet werden, erklärte der Versorger gegenüber den BNN.
Trinkwasserversorgung: Stabile Lage in den großen Systemen
In anderen Teilen des Landes ist die Situation weniger angespannt. Die Stadtwerke Karlsruhe verwiesen gegenüber der Zeitung auf die großen Grundwasservorkommen im Oberrheingraben. Die Reserven seien in den vergangenen Wintermonaten wieder aufgefüllt worden. Auch die derzeit hohen Verbrauchswerte seien nicht außergewöhnlich und stellten die Versorgung nicht infrage.
Für Stuttgart meldete Netze BW ebenfalls eine sichere Versorgung. Die Bodensee-Wasserversorgung und die Landeswasserversorgung seien leistungsfähig aufgestellt. Einen allgemeinen Sparaufruf hält das Unternehmen derzeit technisch nicht für erforderlich. Netze BW empfiehlt gleichwohl, bei Hitze Rasenflächen nicht zu bewässern. Sie erholten sich in der Regel im Herbst wieder.
Auch die beiden großen Fernwasserversorger sehen derzeit keinen akuten Engpass. Laut Bodensee-Wasserversorgung, die rund vier Millionen Menschen versorgt, ist der Bodensee derzeit noch ein stabiler Speicher. Die entnommene Wassermenge entspricht lediglich etwa einem Prozent des Zuflusses. Die Landeswasserversorgung, die rund drei Millionen Menschen beliefert, berichtete ebenfalls nicht von einer angespannten Situation. Die Grundwasserstände seien zwar niedrig, könnten sich bei anhaltender Trockenheit und Hitze aber weiterhin erholen.
Einzelne Gemeinden haben dennoch bereits zum Wassersparen aufgerufen. Nach Angaben der Zeitung gehörten dazu Großerlach und Spiegelberg im Rems-Murr-Kreis sowie Aichtal im Landkreis Esslingen. Die Beispiele zeigen: Entscheidend ist nicht allein die landesweite Wasserverfügbarkeit, sondern auch, auf welche Quellen eine Kommune zurückgreifen kann und wie gut ihre Infrastruktur vernetzt ist.
Gemeindetag: Entscheidungen müssen vor Ort fallen
Auch der Gemeindetag Baden-Württemberg betont, dass es derzeit keine flächendeckenden Einschränkungen der Trinkwasserversorgung gibt. In einzelnen Regionen komme es bei anhaltender Trockenheit und Hitze jedoch bereits zu Einschränkungen bei der Wassernutzung. Dabei gehe es in der Regel um zeitlich befristete Allgemeinverfügungen zur Entnahme von Wasser aus Bächen, Flüssen und Seen.
Zuständig dafür sind die unteren Wasserbehörden bei den Landkreisen. Mehrere Landratsämter hätten aufgrund niedriger Wasserstände bereits entsprechende Beschränkungen erlassen. Vereinzelt werde auch über Einschränkungen beim Befüllen privater Pools oder bei der Gartenbewässerung diskutiert.
„Entscheidungen über konkrete Maßnahmen müssen jeweils auf der Basis der vor Ort vorliegenden Situation getroffen werden“, erklärt der Gemeindetag. Zugleich gelte es grundsätzlich und während Dürreperioden im Besonderen, sparsam mit Wasser umzugehen.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung: Wird die Entnahme aus einem Bach oder Fluss untersagt, bedeutet das noch keine Einschränkung der öffentlichen Trinkwasserversorgung. Auch ein freiwilliger Sparaufruf ist nicht mit einem verbindlichen Verbot bestimmter Nutzungen gleichzusetzen.
Vom Sparappell bis zur verbindlichen Einschränkung
Orientierung bietet die Handreichung „Einschränkung der Trinkwasserverwendung in Hitzesommern“. Sie wurde vom Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB), dem Deutschen Landkreistag, dem Deutschen Städtetag und dem Verband kommunaler Unternehmen erarbeitet.
Die Handreichung empfiehlt ein abgestuftes Vorgehen. Grundlage ist zunächst die laufende Beobachtung der örtlichen Versorgungslage. Wichtige Kriterien sind etwa die Ergiebigkeit von Quellen und Brunnen, der Füllstand von Speichern, die Entwicklung des Verbrauchs sowie die Möglichkeit, Wasser von benachbarten Versorgern oder aus Fernleitungen zu beziehen.
Zeichnet sich eine Knappheit ab, können Versorger zunächst zum freiwilligen Wassersparen aufrufen. Reicht dies nicht aus und droht ein konkreter Engpass, kommen weitergehende Einschränkungen infrage. Sie können beispielsweise das Befüllen privater Pools, die Bewässerung von Gärten und Sportplätzen, die Autowäsche oder den Betrieb von Springbrunnen betreffen. Welche Stelle handeln darf und auf welcher Rechtsgrundlage, hängt von der jeweiligen Maßnahme und der örtlichen Organisationsform der Wasserversorgung ab.
Die Handreichung macht zugleich deutlich: Einschränkungen sollten nicht erst in einer akuten Mangellage vorbereitet werden. Kommunen und Versorger sollten vorab Zuständigkeiten klären, mögliche Maßnahmen abstufen und die Kommunikation mit der Bevölkerung planen.
Viele Kommunen haben keine ausreichende Reserve
Die langfristigen Zahlen zeigen erheblichen Handlungsbedarf. Nach dem Masterplan Wasserversorgung Baden-Württemberg weisen bereits heute rund 21 Prozent der Kommunen ein großes Defizit bei der Deckung ihres Spitzenbedarfs auf. Bis 2050 könnte ihr Anteil auf etwa 53 Prozent steigen. Das berichteten die BNN unter Berufung auf das Umweltministerium.
Nach Angaben des Ministeriums verfügen derzeit zudem 88 Prozent der Kommunen über keine oder nur eine stark eingeschränkte Ersatzversorgung, falls ihre wichtigste Bezugsquelle ausfällt. Das Land unterstützt Kommunen mit jährlich 88 Millionen Euro bei der Umsetzung von Schutzmaßnahmen.
Der Gemeindetag rechnet damit, dass längere Trockenperioden infolge des Klimawandels künftig häufiger auftreten werden. Deshalb seien Investitionen in eine widerstandsfähige und klimafeste Wasserversorgung notwendig. „Dafür brauchen die Kommunen verlässliche Unterstützung durch das Land“, fordert der kommunale Spitzenverband.
Forderung nach Absicherung durch das Land
Auch Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz sieht das Land stärker in der Pflicht. Gegenüber der „Stuttgarter Zeitung“ brachte er ins Gespräch, die gute Bonität des Landes zur Absicherung von Investitionen einzusetzen. Ziel müsse es sein, frühzeitig mit der Modernisierung der Infrastruktur und der Sanierung der Leitungsnetze zu beginnen.
Der Koalitionsvertrag von Grünen und CDU sieht vor, dass jede Kommune ihren Wasserbedarf auch in einem Krisenfall vollständig aus einer alternativen Versorgung decken kann. Dazu sollen örtliche Insellösungen und kommunale Zweckverbände stärker miteinander vernetzt werden. Schwarz sprach gegenüber der „Stuttgarter Zeitung“ von notwendigen Milliardeninvestitionen in Leitungen sowie Pump- und Hochspeicher.
Damit verbindet sich die aktuelle Trockenheit mit einer längerfristigen Aufgabe: Baden-Württemberg verfügt grundsätzlich über genügend Wasser. Es steht aber nicht zu jeder Zeit an jedem Ort in ausreichender Menge zur Verfügung. Für Kommunen kommt es deshalb darauf an, Risiken frühzeitig zu erkennen, Wasserverluste zu verringern und möglichst ein zweites Standbein für ihre Versorgung zu schaffen.