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Umfrage: Wohnen im Ländlichen Raum ist beliebter als gedacht

Die perfekte Wohnung liegt nicht im Zentrum einer Metropole. Sie hat drei Zimmer, ausreichend Platz – und am besten einen Stellplatz. Das legen zumindest die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag von Kleinanzeigen nahe. Besonders bemerkenswert: Selbst viele Einpersonenhaushalte wünschen sich mehr Raum – und eher Dorf als Großstadt.

33 Prozent der Befragten halten eine Drei-Zimmer-Wohnung für ideal. Vier Zimmer folgen mit 29 Prozent. Ein- oder Zwei-Zimmer-Wohnungen spielen dagegen kaum eine Rolle. Selbst unter Alleinlebenden bevorzugen 38 Prozent drei Zimmer. Bei der Fläche liegt der Schwerpunkt zwischen 61 und 120 Quadratmetern. Sehr große Wohnungen mit über 120 Quadratmetern wünschen sich nur 16 Prozent. Kleine Wohnungen unter 60 Quadratmetern gelten praktisch nicht als Ideal. Das zeigt: Der Wunsch nach Platz ist stark. Wohnen bedeutet für viele nicht mehr nur Rückzugsort, sondern auch Arbeitsraum, Hobbyfläche und Perspektive für die Zukunft.

Dorf schlägt Innenstadt

24 Prozent sehen ihre perfekte Wohnung auf dem Dorf oder in der Natur. Mittelgroße Städte (21 Prozent) und Kleinstädte (19 Prozent) folgen. Das direkte Zentrum einer Großstadt wählen nur 13 Prozent. Metropolen wie Berlin oder Hamburg kommen sogar nur auf sechs Prozent. Das wirkt auf den ersten Blick wie ein Widerspruch zur jahrelangen Urbanisierung.

Doch die Umfrage misst Wünsche, nicht tatsächliche Umzüge. Viele leben aus beruflichen Gründen in Städten – nicht unbedingt, weil es ihr Ideal ist. Zudem hat sich das Arbeiten verändert. Homeoffice und hybride Modelle machen ländliche Standorte attraktiver. Der Wunsch nach Grün und Ruhe wächst – auch als Gegenreaktion auf steigende Mieten und knappen Wohnraum in Ballungszentren.

Am wichtigsten ist ein Stellplatz oder eine Garage. 45 Prozent nennen das als entscheidendes Merkmal. Stauraum (36 Prozent), Balkon (34 Prozent) und eine gute Dämmung oder modernes Heizsystem (ebenfalls 34 Prozent) folgen. Ein separates Arbeitszimmer nennen nur 15 Prozent. Offene Küchen (17 Prozent) oder Kamine (10 Prozent) spielen ebenfalls eine untergeordnete Rolle. Auffällig ist auch die Vorliebe für niedrige Etagen. 42 Prozent bevorzugen das Erdgeschoss. Hohe Stockwerke oder Dachgeschosswohnungen sind deutlich weniger gefragt.

Wie belastbar sind die Zahlen?

Die Umfrage wurde vom 16. bis 19. Januar 2026 durchgeführt. Insgesamt nahmen 2.044 Personen ab 18 Jahren teil. Die Stichprobe wurde nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und anschließend gewichtet. Laut Anbieter sind die Ergebnisse repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland. Mit rund 2.000 Befragten liegt die statistische Schwankungsbreite bei etwa ±2 bis 3 Prozentpunkten. Das gilt für eine Meinungsumfrage ein solider Standard.

Wichtig bleibt dennoch: Es handelt sich um eine Online-Befragung eines Panels, also um Personen, die freiwillig teilnehmen. Zudem werden Idealvorstellungen abgefragt – keine realen Umzüge oder Markttransaktionen. Für eine Einschätzung langfristiger Wanderungsbewegungen wären amtliche Daten, etwa vom Statistisches Bundesamt, die robustere Grundlage. Unterm Strich zeigt die Studie weniger eine Trendwende als eine Spannung: Zwischen ökonomischer Realität und persönlichem Ideal. Die Stadt wächst weiter – doch der Traum vom Leben mit mehr Platz, Natur und Stellplatz ist so präsent wie lange nicht.