Parkraummanagement: Ein unterschätzter Hebel
Parkende Fahrzeuge beanspruchen einen erheblichen Teil des begrenzten öffentlichen Raumes. Gleichzeitig steigt die Notwendigkeit für die Kommunen, öffentliche Flächen wirtschaftlich und unter Berücksichtigung von sozialen Aspekten zu nutzen. Mit digitalen Methoden kann der Personaleinsatz zudem deutlich effizienter gelingen als die fußläufige Kontrolle. Durch die größeren Kapazitäten von digitalem Parkraummanagement können Kommunen die Parkraumbewirtschaftung auch auf neue Gebiete ausweiten, was zugleich die Einnahmen erhöht. Lohnt sich ein eigenes Scan-Fahrzeug für eine Kommune nicht, sind Kooperationen denkbar. Ein modernes und intensiveres Parkraummanagement schafft außerdem Raum für Grünflächen und reduziert Lärm, Abgase und Verkehr. Die Attraktivität des Straßenraums steigt und neue Begegnungs- und Bewegungsräume für die Bevölkerung entstehen. Gleichzeitig kann Parkraummanagement einen wichtigen Beitrag leisten, Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor einzusparen.
Nach einem Gutachten (https://is.gd/fAxmkJ), das im Auftrag des Ministeriums für Verkehr erstellt wurde, ist Parkraummanagement die wirksamste Maßnahme auf kommunaler Ebene, um Emissionen zu verringern.
Was ist Parkraummanagement?
Um das Parken im öffentlichen Raum zu steuern, können verschiedene Instrumente genutzt werden. Dazu gehören die zeitliche und räumliche Begrenzung des Parkens, die Erhebung von angemessenen Gebühren, die Umgestaltung von Parkflächen und die Überwachung des Parkens. Ziel ist es, den vorhandenen Raum effizient zu nutzen und gleichzeitig die Verkehrssicherheit zu verbessern, die Lebensqualität zu erhöhen und die Stadtentwicklung zu unterstützen.
Welche Instrumente der Parkraumbewirtschaftung gibt es?
Die Parkraumbewirtschaftung ist der operative Kern des Parkraummanagements. Durch die Nutzung der vorhandenen Instrumente können öffentliche Parkflächen reguliert sowie private und öffentliche Parkierungseinrichtungen wie Parkhäuser oder Quartiersgaragen besser ausgelastet werden. Zudem wird die Basis zur Umgestaltung und Umnutzung von Flächen im öffentlichen Raum geschaffen.
Indem die Höchstparkdauer begrenzt wird und Parkgebühren eingeführt oder angepasst werden, wird ein hoher Umschlag auf Parkflächen sichergestellt. Insbesondere in zentrumsnahen Bereichen und vor Einzelhandelsgeschäften sind diese Maßnahmen sinnvoll, um die Frequenz auf diesen Parkplätzen zu erhöhen und für Parkplatzsuchende freie Parkplätze bereitzuhalten. Studien zeigen, dass der Einzelhandel von diesen Maßnahmen profitiert, da Dauerparker verdrängt werden und die Wahrscheinlichkeit für Kunden steigt, freie Stellplätze in Zielnähe zu finden.
Das klassische Bewohnerparken privilegiert Bewohnerinnen und Bewohner gegenüber Fremdparkenden, indem sie beispielsweise von Höchstparkdauern oder Kurzzeitparkgebühren ausgenommen werden. Durch die aktuelle Novelle der Straßenverkehrsordnung (StVO) erhalten Kommunen bei der Anordnung von Bewohnerparken größere Handlungsspielräume: Auch ein drohender erheblicher Parkdruck oder ein städtebaulich-verkehrsplanerisches Konzept reichen nun als Anordnungsgrundlage aus. Die Zuständigkeit für die Ausweisung liegt bei der Straßenverkehrsbehörde, die auch die anfallenden Gebühren einnimmt. Neben den Ausweisen sind auch die Gebühren ein wichtiges Steuerungsinstrument: Bereits rund 30 Gemeinden in Baden-Württemberg haben ihre Bewohnerparkgebühren angepasst.
Dauerparkscheine sind eine Alternative zum klassischen Bewohnerparken und bieten in der Ausgestaltung große Spielräume. Diese ermöglichen langfristiges Parken in einem bestimmten Gebiet und können grundsätzlich von allen Personengruppen erworben werden.
Grundsätzlich können die Instrumente der Parkraumbewirtschaftung kombiniert und auf die lokalen Gegebenheiten angepasst werden. Weitere Informationen (https://is.gd/J1zB74) zu den Varianten der Parkraumbewirtschaftung sowie rechtliche Hinweise (https://is.gd/uHot6N) zu den Instrumenten des Parkraummanagements finden sich in den Veröffentlichungen des Kompetenznetz Klima Mobil der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NvBW).
Welche finanziellen Potenziale bieten Parkgebühren?
Kostenlose Parkplätze sind für Kommunen in mehrfacher Hinsicht nachteilig: Ihre Errichtung sowie der laufende Unterhalt verursachen erhebliche Kosten. Es entstehen zudem Opportunitätskosten, da die Flächen selbst keine Einnahmen generieren. Außerdem wird wertvoller öffentlicher Raum blockiert, der sonst für nachhaltige Mobilitätsangebote, Aufenthaltsmöglichkeiten oder Spielflächen für Kinder genutzt werden kann. Im Hinweispapier (https://is.gd/jsaMUN) „Wirksame & angemessene Parkgebühren“ des Kompetenznetz Klima Mobil ist dargestellt, wie Parkgebühren passend ausgestaltet werden können.
Wie wird die Wirksamkeit von Maßnahmen sichergestellt?
Die Maßnahmen der Parkraumbewirtschaftung entfalten ihre Wirkung nur dann vollständig, wenn sie konsequent kontrolliert werden. Digitale Lösungen eröffnen neue Möglichkeiten und steigern die Effizienz der herkömmlichen Parkraumkontrolle um ein Vielfaches. Mit Scan-Fahrzeugen kann der Kontrolldruck aufrechterhalten und die Reichweite der Kontrolle erhöht werden. Durch den Einsatz von Scan-Fahrzeugen kann Personalaufwand in den Kommunen reduziert und das vorhandene Personal entlastet werden.
Kommunen in Baden-Württemberg können die digitale Parkraumkontrolle über das Landesmobilitätsgesetz (https://is.gd/nHFnTq) anwenden. Erste Pilotprojekte in Baden-Württemberg zeigen die Machbarkeit und Effizienzgewinne der digitalen Parkraumkontrolle. Beim Pilotversuch an der Universität Hohenheim konnten die Aufwände durch das Scan-Fahrzeug im Vergleich zur herkömmlichen Methode um mindestens 80 Prozent reduziert werden. Der Einsatz von Scan-Fahrzeugen im europäischen Ausland zeigt, dass die Erhöhung des Kontrolldrucks zu einer erhöhten Befolgungsrate führt – weniger Parken ohne Parkberechtigung und weniger Falschparken.
Welche Unterstützungsangebote gibt es für Kommunen?
Das Kompetenznetz Klima Mobil unterstützt im Auftrag des Landes als Expertenstelle zum Parkraummanagement die Städte und Gemeinden mit Beratung, Fachwissen und praxisnahen Werkzeugen. Darüber hinaus stellt das Land Fördermittel für Personal- und Sachkosten bereit, um die Kommunen bei der Umsetzung von Parkraummanagement-Projekten zu unterstützen. Auch 2026 werden Kommunen mit den „Park.Raum.Checks“ (https://is.gd/XsNt73) und „Park.Raum.Dialogen“ (https://is.gd/A76Yx5) bei der Erarbeitung von konkreten Lösungen unterstützt.
Weitere Informationen zum Parkraummanagement finden Sie unter https://is.gd/eVgEy5
Die Gastautoren:

Sonja Knopp ist Referatsleiterin für Klimaschutz im Verkehr im Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg.

Eric Simon ist Referent im Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg.

Fabian Meurer ist Referent für Klimaschutz im Verkehr bei der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NvBW).