Bild der Die Mobilitätsstation in Achern mit Fahradabstellplätzen und Radsharing
Die Mobilitätsstation in Achern: Rund 400 Fahrradstellplätze, Fahrradboxen und
Sharing-Angebote erleichtern den Umstieg vom Rad auf Bus und Bahn.
© Stadt Achern

Mobilität in ländlichen Räumen sichern

17. Februar 2026
Ein gutes Zusammenspiel von Fahrrad und öffentlichem Verkehr ist entscheidend für eine flexible und nachhaltige Mobilität. Attraktive Fahrradabstellanlagen an Bus- und Bahnhöfen, die das Land fördert, sind dabei ein Schlüssel zum Erfolg, erklärt Alicia Kolmans in ihrem Gastbeitrag.

Öffentlicher Verkehr und Radverkehr ergänzen sich perfekt

Die Radverkehrsstrategie Baden-Württemberg (RadSTRATEGIE) ist die strategische Grundlage für die Radverkehrsförderung im ganzen Land. Sie zeigt auf, wie Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg durch systematische Maßnahmen fahrradfreundlicher werden können. Das neue Umsetzungsprogramm zur RadSTRATEGIE überträgt diesen Rahmen in konkrete Maßnahmen für die Jahre 2025 bis 2030. Ein zentraler Baustein ist die gute Verknüpfung von Rad und öffentlichem Verkehr (ÖV).

Nicht überall und zu jeder Zeit gelangt man – insbesondere in ländlichen Räumen – mit dem Öffentlichen Verkehr einfach an sein Ziel. Für das Fahrrad allein ist die Entfernung zwischen Start und Ziel gerade außerhalb der Städte oft zu groß – auch wenn E-Bikes selbst längere Alltagswege für viele Menschen komfortabler machen. In der Kombination sind Rad und öffentliche Verkehrsmittel hingegen eine ideale Ergänzung und können für viele Menschen eine attraktive Alternative zum eigenen Auto darstellen.

Um dieses Potential zu heben, sind nicht nur gute ÖV-Verbindungen und Radwege wichtig – insbesondere die Übergänge müssen gut gestaltet sein. Nur wenn es ein ausreichendes, attraktives Angebot an Fahrradabstellanlagen möglichst dicht am Abfahrtsort von Bus und Bahn gibt, steigen die Menschen um. Insbesondere teure Räder wollen die meisten Menschen nicht ungesichert und ohne Wetterschutz über mehrere Stunden im öffentlichen Raum stehen lassen. Für Kommunen bietet die Kombination von Fahrrad und ÖPNV (Bike+Ride – B+R) einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Kombination von Auto und ÖPNV (Park+Ride): Fahrradabstellanlagen benötigen deutlich weniger Fläche und verursachen wesentlich geringere Kosten als Pkw-Stellplätze.

Das Verkehrsministerium fördert den Ausbau von Fahrradparken über das Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGVFG).

Überzeugende Beispiele aus ländlichen Gemeinden

Wie der Ausbau von attraktiven Radabstellanlagen wirkt, verdeutlicht zum Beispiel die Stadt Achern mit 27.700 Einwohnerinnen und Einwohnern im Ortenaukreis. Auch die Gemeinde Denzlingen mit 13.700 Einwohnerinnen und Einwohnern im Landkreis Emmendingen macht es vor.

In Achern entstand eine Mobilitätsstation mit rund 400 Fahrradstellplätzen, Fahrradboxen, Serviceangeboten sowie ergänzenden Sharing Angeboten. Für die neuen Mobilitätsangebote wurden insgesamt 27 KFZ-Stellplätze zugunsten von Fahrradabstellanlagen umfunktioniert. So konnte das Angebot der Fahrradabstellanlagen verdoppelt und räumlich gebündelt werden. Für die Maßnahme gab es den Landespreis Radinfrastruktur. Rund ein Jahr nach der Eröffnung erhält die Stadtverwaltung ein durchweg positives Feedback aus der Bürgerschaft. Die herkömmlichen Fahrradbügel sind weitestgehend belegt und die neuen Fahrradboxen sind stets zu 50 bis 60 Prozent ausgelastet.

Auch am Bahnhof Denzlingen erleichtert eine neue, komfortable Fahrradgarage Bürgerinnen und Bürgern den Umstieg auf den ÖPNV. 2024 wurden am Bahnhof 194 moderne Stellplätze errichtet, darunter abschließbare Fahrradsammelgaragen. Mit zusätzlicher Radverleih-Pilotstation und neuem E-Carsharing wurde der Bahnhof zur intermodalen Mobilitätsstation weiterentwickelt. Wege können so wesentlich leichter mit verschiedenen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden.

Neuer Rahmenvertrag Radparken erleichtert die Beschaffung

Mit dem Rahmenvertrag Fahrradparken hat das Land ein neues, bürokratiearmes Angebot für die Beschaffung von Fahrradabstellanlagen geschaffen.

Der Rahmenvertrag Radabstellanlagen erspart Kommunen eine Ausschreibung, ermöglicht attraktive Preise und erleichtert den gesamten Prozess bis zur Lieferung. Die Bestellung kann direkt über das Fachportal des Landes zum Rad- und Fußverkehr „aktivmobil-bw“ angestoßen werden. Möchte eine Kommune einen Förderantrag für Anlagen stellen, kann sie dies im gleichen Zug ebenfalls direkt über diese Website tun.

Beratung, Unterstützung und Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn

Einige Kommunen gehen dazu über, den Ausbau der Fahrradparkangebote systematisch auf Ebene einer Gemeinde, eines Kreises oder entlang von ÖPNV-Strecken voranzutreiben. Hierfür stellt das Verkehrsministerium eine Förderung von B+R-Konzepten bereit.

Gemeinden, die ihr Angebot an Radabstellanlagen systematisch ausbauen und optimieren wollen, können Beratung durch die Kompetenzstelle RadPARKEN des Landes erhalten. Sie begleitet Städte und Gemeinden auf Wunsch praxisnah – von der Bedarfsermittlung über Standortfragen und Anlagentypen bis hin zur Vorbereitung des Förderantrags.

Im Bereich Bike+Ride ist das Angebot abgestimmt mit den entsprechenden Angeboten der Deutschen Bahn. Zur vereinfachten Umsetzung von Radabstellanlagen erfolgt bei der DB InfraGO (gemeinwohlorientierte Infrastrukturgesellschaft der Deutschen Bahn) eine schnelle Flächenprüfung im Rahmen ihrer bestehenden Bike+Ride Offensive. Das Land und die DB haben zudem vereinbart, ihre Beratung und Umsetzungsunterstützung in Zukunft stärker entlang ganzer Strecken des Schienenpersonennahverkehrs (zum Beispiel die MEX-Linien) durchzuführen – für eine möglichst flächendeckende Wirkung.

Land und DB unterstützen jetzt gemeinsam den Ausbau von fahrradfreundlichen Bahnhöfen und Fahrradstationen in den Städten und Gemeinden Baden-Württembergs.

Fahrradparken an Schulen

Auch an Schulen spielt das Fahrradparken eine wichtige Rolle. Immer mehr Kommunen sorgen dafür, dass Kinder sicher mit dem Rad zur Schule fahren können. Unterstützt werden sie dabei vom Landesprogramm MOVERS – Aktiv zur Schule. MOVERS stärkt die eigenständige und sichere Mobilität von Kindern und Jugendlichen auf dem Schulweg. Schulen und Kommunen erhalten gezielte Unterstützung, beispielsweise bei der Erstellung von Schulwegplänen, der Verbesserung von Schulwegen oder bei der Einrichtung von Schulstraßen.

Im Rahmen von MOVERS werden auch Beratungen zu Fahrradabstellanlagen an Schulen angeboten. MOVERS-Berater begleiten Schulen und Kommunen auf dem Weg zu einem Förderantrag nach dem LGVFG. Denn ohne sichere Abstellanlagen werden nur wenige Kinder und Jugendliche mit dem Rad zur Schule kommen.

Einladung an Gemeinden, jetzt aktiv zu werden

Die Bedingungen für den Ausbau von Radabstellanlagen sind im Land so gut wie nie zuvor. Gerade in Zeiten knapper kommunaler Kassen können Gemeinden in diesem Bereich mit wenig viel erreichen. Nutzen Sie diese Gelegenheit!

Hier geht es zur Bestellung von Radabstellanlagen: https://is.gd/9eatGG

Das Beratungsangebot der Kompetenzstelle RadPARKEN bei der NvBW finden Sie unter https://is.gd/FFaNk6

Neuer Aktionsplan für Mobilität, Klima- und Lärmschutz

Ein neues, praxisnahes Instrument zur klima- und lärmschutzorientierten Verkehrsplanung steht nun kleineren und mittleren Kommunen in Baden-Württemberg zur Verfügung. Ziel des Aktionsplans für Mobilität, Klima- und Lärmschutz ist es, konkrete Maßnahmen zu entwickeln, um die Mobilität vor Ort nachhaltiger, umweltfreundlicher und lebenswerter zu gestalten. Der Plan verbindet Klima- und Lärmschutz und schafft so wirkungsvolle Synergien zwischen beiden Zielen. Ein Leitfaden unterstützt bei der Erstellung, Förderprogramme des Landes bieten finanzielle Hilfe. Wie der Aktionsplan Kommunalverwaltungen dabei hilft, Maßnahmen systematisch zu planen, umzusetzen und zu evaluieren, lesen Sie in einem Beitrag in unserem Mitgliederbereich auf die:gemeinde.de. Hier werden auch vier Beispielkommunen unterschiedlicher Größe und Lage vorgestellt, die am Programm zum Aktionsplan teilnehmen – darunter eine Kommune mit bereits abgeschlossenem Aktionsplan. Mehr zum Aktionsplan lesen Sie im Mitgliederbereich unter https://is.gd/HRTdR6

Die Gastautorin:

Porträt Alicia Kolmans

Alicia Kolmans ist die stellvertretende Leiterin des Referats 45 „Rad- und Fußverkehr, Ortsmitte“ im Verkehrsministerium Baden-Württemberg.