Bürgerenergiegenossenschaften: Die Wende gemeinsam meistern
Die Nahwärmegenossenschaft Elzach
Unsere Nahwärmegenossenschaft besteht seit zehn Jahren. Und sie ist erfolgreich: Wir haben den Bau eines Nahwärmenetzes für die Kernstadt Elzach im Oktober 2025 erfolgreich abgeschlossen. Dabei liegen die Anfänge in einem gescheiterten Projekt. Ein Investor hatte vor 30 Jahren für ein Baugebiet in Elzach ein zu kleines und zu teures Wärmenetz gebaut, das nur 20 Anschlüsse bot. Damals heizten die Menschen in Elzach überwiegend mit Öl, es gab kein Gasnetz. Man überlegte, das bestehende Netz zu vergrößern. Es folgte eine Quartiersuntersuchung und es fiel der Entschluss, ein Wärmenetz für die ganze Stadt zu planen.
Startschuss für das neue Nahwärmenetz: Im Oktober 2025 markierten die Bauarbeiten am Rißlersberg den letzten Bauabschnitt der Nahwärmeversorgung in Elzach.
Der Gebäudebestand in Elzach eignet sich dafür ideal: Es gibt eine enge Bebauung und viele Häuser aus den Sechziger- und Siebzigerjahren. Bei unserer Nachbargemeinde St. Peter informierten wir uns. Die rund 30 Kilometer entfernte Gemeinde hatte bereits ein kleines Wärmenetz mit 150 Anschlüssen; es war genossenschaftlich organisiert. 2015 gründeten wir schließlich die Nahwärmegenossenschaft Elzach mit 57 Mitgliedern. Heute sind es über 500.
Mehr als 20 Kilometer Leitungen
Bereits ein Jahr nach Gründung der Genossenschaft folgte der Spatenstich für das Wärmenetz, das in fünf Bauabschnitten gebaut wurde. Insgesamt hat die Genossenschaft 17.665,69 Meter Leitungen neu verlegt. Aktuell versorgen wir 537 Gebäude durch 20.515,69 Meter Leitungsrohre mit Wärme. Das Holz für die Holzhackschnitzelkessel beziehen wir von einer regionalen Waldgenossenschaft. Wir leben in einer Waldregion und nutzen somit die regionalen Partner. Wir haben langfristige Verträge, die unser Wärmenetz verlässlich machen. Unsere Preise sind sehr günstig. Aktuell liegen die Kosten bei elf Cent netto pro Kilowattsunde. Die Zufriedenheit der Kunden liegt bei nahezu 100 Prozent. Für die Neumaßnahmen war bislang eine Investition von rund 15,7 Millionen Euro erforderlich. Wir bekamen dafür Förderungen vom Land und vom Bund.
Was man für eine funktionierende Genossenschaft braucht, sind Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren; vom Aufsichtsrat bis zu den Vorständen. Nur für die Technik haben wir ein paar wenige bezahlte Stellen vor Ort. Die Vorteile der Bürgergenossenschaft liegen auf der Hand: Der Wärmepreis wird von den Mitgliedern der Genossenschaft selbst festgelegt, die Mitglieder haben hier die volle Kontrolle. Der Abschied vom Öl hatte nur Vorteile für die Bürgerinnen und Bürger, etwa deutlich günstigere Energie, keine schwankenden Ölpreise, die es zu beachten gibt, und mehr Platz im Keller. Das alles macht unser Nahwärmenetz zu einem Leuchtturmprojekt. Es ist regional, klimafreundlich, günstig – und in Bürgerhand. Davon profitiert auch unsere Kommune.
Weitere Informationen zur Nahwärmegenossenschaft in Elzach finden Sie unter
https://is.gd/yEbY37
Autor
Roland Tibi ist Bürgermeister in Elzach im Landkreis Emmendingen. Er ist Aufsichtsratsvorsitzender der Nahwärmegenossenschaft Elzach.
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Die Ettenheimer Bürgerenergie
Unsere Genossenschaft hat 350 Mitglieder, die meisten kommen aus der Region. Wir treiben den Ausbau der Photovoltaik und Windenergie kontinuierlich voran, zwei Windprojekte stehen bereits, der Windpark Schnürbuck wurde am 24. Oktober fertiggestellt – und mit einem großen Fest gefeiert. Die neuen Anlagen sollen rund 30 Millionen Kilowattstunden grünen Strom pro Jahr produzieren. Ein weiteres Windprojekt ist in Bearbeitung.
Frisch eingeweiht: Windkraftanlagen am Schnürbuck über Ettenheim in der Schwarzwaldlandschaft.
Die Idee zur Gründung einer Bürgerenergiegenossenschaft (BEG) brachte ich 2011 bei einem Neujahrsempfang ein. Schnell fanden sich Mitstreiter für das Projekt, die Volksbank unterstützte uns ebenfalls. Uns allen war früh klar, dass wir weg müssen von den enormen CO2-Emissionen. Seitdem haben wir mehrere Photovoltaik- und Windprojekte umgesetzt. Dazu zählen zehn Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von insgesamt über 350 Kilowatt installierter Leistung. 2016 nahmen wir den Bürgerwindpark Südliche Ortenau mit sieben Windenergieanlagen und einer Leistung von jeweils 2,75 Megawatt in Betrieb. Er produziert etwa 41 Millionen Kilowattstunden klimafreundlichen Strom pro Jahr. Wir sind mit 25,5 Prozent am Park beteiligt.
Viel fachliches Know-how
In Ettenheim haben wir das große Glück, dass in unserem Vorstand und Aufsichtsrat Personen vertreten sind, die inhaltlich sehr viel einbringen können, darunter eine Juristin und ein Verbandsprüfer. Vorstand Jörg Bold etwa war maßgeblich an der Gründung der BEG beteiligt und ist noch immer mit viel Herzblut dabei. Die Themen, die in einer BEG anfallen, sind komplex. Es braucht dafür jeweils Profis, die sich intensiv mit den verschiedenen Fragestellungen beschäftigen und sich auch gut auskennen.
Die Zusammenarbeit zwischen der Stadt und der Genossenschaft funktioniert hervorragend. Beim letzten Windprojekt etwa haben wir als Stadt der BEG einen Kredit eingeräumt; als Puffer und Starthilfe. Sie kann darauf zurückgreifen, falls es nötig wird. Neben Photovoltaik und Windenergie haben wird darüber hinaus seit 25 Jahren eine Fernwärmeversorgung auf städtische Initiative und mit kommunaler Beteiligung. Dazu gehört die größte Solarthermieanlage Südbadens.
Ich bin davon überzeugt: Wir brauchen dringend erneuerbare Energien, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Doch in Deutschland leben wir da auch auf einem rosa Wölkchen. Wir dürfen uns Gaskraftwerken als Reserve für die Windkraft nicht verschließen. Auch die Weiterentwicklung von Wasserstoff ist wichtig. Um den Ausbau der erneuerbaren Energien erfolgreich voranzutreiben, müssen wir die Menschen aufklären und als Genossenschaft klug handeln, dann ist das Genossenschaftsmodell ein Erfolgsmodell.
Weitere Informationen zur Ettenheimer Bürgerenergie finden Sie unter
https://is.gd/89Fkz5
Autor
Bruno Metz ist Bürgermeister in Ettenheim im Ortenaukreis. Er ist Aufsichtsratsvorsitzender der Ettenheimer Bürgerenergie.
Bürgerenergiegenossenschaften in Baden-Württemberg
Die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW)
unterstützt und berät BEG in allen Phasen ihrer Tätigkeiten.