Kinder des KILANA-Feriencamps
© Fotos: Badischer Leichtathletik-Verband

Bewegung, Bildung und Betreuung

Wie gelingt es Kommunen, den Ganztagsrechtsanspruch auch in den Ferien zu gewährleisten? Der Badische Leichtathletik-Verband (BLV) verbindet mit dem KILANA-Feriencamp Sport, Nachhaltigkeitsbildung und Ganztagsbetreuung – und trifft damit einen Nerv.

Mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder wächst in vielen Kommunen der Druck, verlässliche Angebote auch außerhalb der Unterrichtszeiten bereitzustellen. Gerade die Ferien gelten vielerorts als besondere Herausforderung. Schulen sind geschlossen, Betreuungspersonal fehlt, gleichzeitig suchen Familien nach Angeboten für ihre Kinder. Genau an dieser Stelle setzt das KILANA-Feriencamp des Badischen Leichtathletik-Verbands (BLV) an.

KILANA steht für „Kinder-Leicht-Athletik und Nachhaltigkeit“. Das Konzept verbindet klassische Bewegungsangebote mit Themen der Bildung für nachhaltige Entwicklung – kurz BNE. Die Stadt Waghäusel hat das Angebot in den Osterferien 2026 erstmals umgesetzt.

Ursprünglich habe der Verband ein anderes Ziel verfolgt, erklärt Projektleiterin Charlotta Bucht. „Im Ursprung wollte der Badische Leichtathletik-Verband sich im offenen Ganztag mit Bewegungsangeboten engagieren.“ Geplant gewesen seien regelmäßige Angebote an Schulen, die Vereine und Bildungseinrichtungen stärker miteinander verknüpfen sollten. Während der Gespräche mit Schulen und Vereinen habe sich jedoch gezeigt, dass die Ferien mindestens genauso problematisch seien wie der eigentliche Ganztag. „Für uns als Verband und unsere Vereine sahen wir hier die besseren Umsetzungsmöglichkeiten.“

Ganztag: Leichtathletik trifft Nachhaltigkeit

Das Besondere am KILANA-Camp ist die Verbindung von Sport und Nachhaltigkeitsbildung. Der BLV setzt nach eigenen Angaben schon seit mehreren Jahren auf Themen der nachhaltigen Entwicklung. Deshalb sei schnell die Idee entstanden, diese Inhalte auch in das Ferienprogramm einzubauen.

„KILANA verfolgt einen komplett neuen Ansatz“, sagt Bucht. Das Ferienprogramm verbinde „erstmalig Bewegungselemente aus der Kinderleichtathletik – Laufen, Springen und Werfen – mit den Inhalten und Methoden des Bildungskonzepts Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Die Kinder erleben dabei nicht einfach klassische Sportstunden. Stattdessen werden Übungen bewusst mit gesellschaftlichen Themen verbunden: Bei einer „Müll-Staffel“ müssen die Kinder beispielsweise Müllkarten beim Laufen der richtigen Tonne zuordnen. Beim „Kinderrechte-Memory“ suchen sie mithilfe bestimmter Bewegungen ihr passendes Gegenstück.

Grundschulkinder beim KILANA-Camp

Beim KILANA-Camp erleben Grundschulkinder Leichtathletik mit Themen wie Klimaschutz, Artenschutz und Vielfalt.

Themen wie Klimaschutz, Integration, Vielfalt oder Migration würden dabei „kindgerecht und lebensweltbezogen“ vermittelt, erklärt Bucht. Der Tagesablauf ist dabei klar strukturiert. Morgens startet die gesamte Gruppe gemeinsam in den Tag. Anschließend wechseln die Kinder in kleinere Gruppen mit festen Übungsleiterinnen und Übungsleitern. Dort stehen Bewegungsspiele, Geschichten, Diskussionen und kreative Ruhephasen auf dem Programm. Gebastelt oder gemalt wird etwa zu Müllvermeidung, Artenschutz oder klimafreundlichem Verhalten. Nach der Mittagspause folgt dann bewusst eine Phase ohne Bildungsinhalte: reine Leichtathletik und Bewegung.

„So entsteht ein ganzheitliches Bildungsangebot, das Kopf, Herz und Körper gleichermaßen anspricht“, sagt Bucht.

Unterstützt wird das Projekt zudem von Olympiasiegerin Malaika Mihambo. Da sie nicht persönlich in jedem Camp dabei sein könne, habe der Verband Materialien entwickelt, die den Kindern trotzdem das Gefühl geben sollen, dass Mihambo Teil der Ferienwoche ist, erklärt Bucht.

Kommune und Verband teilen sich die Aufgaben

In Waghäusel entstand der Kontakt über den Schulleiter der Schillerschule, die später auch Austragungsort des Camps wurde. Danach trafen sich Vertreter des BLV, der Schule sowie des Teams Bildung, Jugend und Sport der Stadtverwaltung, um Inhalte und Ablauf gemeinsam abzustimmen.

Kinder bei einem Bewegungsspiel in der Ferienbetreuung

Ferienbetreuung als kommunale Aufgabe: Während Schulen geschlossen sind und Betreuungspersonal fehlt, suchen Städte und Gemeinden nach verlässlichen Lösungen für Familien – Kooperationen mit Sportverbänden bieten dabei ein erprobtes Modell.

Für die Stadt war das Angebot auch deshalb interessant, weil die Nachfrage nach Ferienbetreuung hoch ist. Nach Angaben des BLV gibt es in Waghäusel regelmäßig lange Wartelisten. Deshalb integrierte die Kommune das KILANA-Camp direkt in ihre bestehenden Ferienangebote. Die Stadt übernahm unter anderem die Anmeldung der Kinder sowie die Kommunikation mit den Eltern, während der Verband Inhalte, Personal und Durchführung verantwortete.

Bucht beschreibt die Zusammenarbeit mit der Kommune als unkompliziert. „Die Kommunikation zwischen dem Amt für Bildung und Soziales und dem BLV verlief zu jeder Zeit sehr gut.“ Auch die Anforderungen an die Infrastruktur seien überschaubar. „Was wir jedoch auf jeden Fall benötigen, ist ein Sportplatz und ein angrenzender Raum für kalte, regnerische Tage“, erklärt Bucht. Eine klassische Leichtathletik-Anlage brauche es nicht. „Es genügt eine ausgewiesene Grünfläche.“

Übungsleiterin spricht mit Kindern über Kinderrechte

Gemeinsam stark: Übungsleiterinnen und Übungsleiter begleiten die Kinder in kleinen Gruppen durch den strukturierten Tagesablauf – von Bewegungsspielen bis zu Diskussionsrunden.

Finanzierung bleibt eine kommunale Frage

Ganz ohne finanzielle Beteiligung funktioniert das Modell allerdings nicht. Für eine fünftägige Camp-Woche mit 40 Kindern kalkuliert der Verband mit rund 12.000 Euro. Darin enthalten sind die Honorare der Übungsleiterinnen und Übungsleiter, Projektmanagement, Reise- und Übernachtungskosten sowie Sachkosten. Kommunen können einen Teil der Kosten über Teilnehmerbeiträge refinanzieren. Gleichzeitig sieht der Verband Spielräume, um familienfreundliche Modelle umzusetzen. „Dadurch hat die Kommune den Spielraum, auf die eigene wirtschaftliche Lage Rücksicht zu nehmen oder auch durch geringe Teilnehmerbeiträge einen Akzent in der Familienförderung zu setzen“, erklärt Bucht.

Zusätzlich könnten Fördermittel eingebunden werden. Bei zwei weiteren Camps in Eppelheim und Wiesloch greift der Verband beispielsweise auf Mittel aus dem DOSB-Programm „Integration durch Sport“ zurück.

Weitere Kommunen zeigen Interesse

Nach den ersten Durchläufen zieht der BLV eine positive Bilanz. Besonders die Rückmeldungen von Eltern und Kindern seien gut ausgefallen. Einige Übungen würden nun nochmals überarbeitet und erweitert, um künftig flexibler auf unterschiedliche Gruppen reagieren zu können.

Interesse scheint bereits vorhanden zu sein. Für 2027 hätten neben Waghäusel auch Hüfingen sowie Kommunen aus der Region Pforzheim/Nordschwarzwald Interesse signalisiert. Aktuell richtet sich das Angebot vor allem an Kommunen im badischen Verbandsgebiet.

Grundsätzlich zeigt sich der Verband aber offen für weitere Gespräche. „Wir freuen uns darauf, weitere Kommunen kennenzulernen und neue Camps zu gestalten“, sagt Bucht.

Weitere Informationen: www.kilana-feriencamp.de

Ferienbetreuung und Ganztagsgestaltung

Auch die anderen Sportbünde in Baden-Württemberg arbeiten an gezielten Angeboten zur Ferienbetreuung und Ganztagsgestaltung.