Hoffnungshaus mit bezahlbaren Wohnungen
Hoffnungshaus mit bezahlbaren Wohnungen
© Hoffnungsträger Stiftung

Wenn Integration eine Adresse bekommt

In Straubenhardt und Öhringen zeigen Hoffnungshäuser, wie bezahlbares Wohnen und Integrationsarbeit zusammenfinden können.

Integration beginnt oft mit einer Standortfrage. In Straubenhardt fiel die Entscheidung bewusst und deutlich: Ein Hoffnungshaus sollte nicht irgendwo am Rand entstehen, sondern mitten in der Gemeinde. Genau das hat anfangs Widerstände ausgelöst, sagt Bürgermeister Helge Viehweg. Rückblickend sei aber gerade diese Entscheidung der Schlüssel gewesen. „Integration gelingt nicht am Rand der Gesellschaft, sondern nur mittendrin.“

Der Weg dorthin begann in einer Phase, in der viele Geflüchtete nach Deutschland kamen. Ab 2016 habe man sich in Straubenhardt intensiv damit beschäftigt, wie die Gemeinde dieser Situation begegnen könne. Der Kontakt zur Hoffnungsträger-Stiftung kam über den örtlichen Pfarrer zustande. Nach wenigen Gesprächen habe es ein stabiles Fundament gegeben. Im August 2019 wurde die Baugenehmigung für zwei Häuser erteilt.

Heute beschreibt Viehweg das Hoffnungshaus als selbstverständlichen Teil Straubenhardts. Es liegt nicht abgeschirmt, sondern neben Aldi und Edeka, in der Nähe von Wohnhäusern und einer großen Schule. Die Hausgemeinschaft bringt sich in das Gemeindeleben ein, etwa am verkaufsoffenen Sonntag, wenn beim Hoffnungshaus Begegnungen stattfinden. Nach Angaben der Gemeinde wird dieses Angebot gut angenommen.

Auch in Öhringen stand am Anfang die Frage, wie Integration konkret gelingen kann. Oberbürgermeister Patrick Wegener sieht darin eine kommunale Aufgabe, die über die reine Verwaltung hinausgeht. Die Stadt müsse den Rahmen setzen, damit Gemeinschaft entstehen könne. Das Konzept der Hoffnungsträger Stiftung habe ihn überzeugt, weil es um mehr gehe als um ein Gebäude. Menschen mit und ohne Fluchterfahrung leben in eigenen Wohnungen unter einem Dach. „Das ist keine Sammelunterkunft – das ist normales, nachbarschaftliches Wohnen“, sagt Wegener.

Bürgermeister Helge ViehwegOberbürgermeister Patrick Wegener

Sie schätzen das Konzept der Hoffnungshäuser in ihren Kommunen: Straubenhardts Bürgermeister Helge Viehweg (li.) und Öhringens Oberbürgermeister Patrick Wegener. Fotos: Gemeinde Straubenhardt, Stadt Öhringen

Bezahlbarer Wohnraum als zweiter Hebel

Für die Kommunen geht es dabei nicht nur um Integration, sondern auch um bezahlbares Wohnen. In Öhringen sind seit Mitte 2023 drei Häuser mit 19 bezahlbaren Wohnungen entstanden. Sie bieten Platz für rund 60 Menschen. Ein Großteil der Wohnungen wird laut Stadt deutlich unter der ortsüblichen Neubaumiete vermietet. Damit richtet sich das Angebot nicht nur an Menschen mit Fluchtgeschichte, sondern auch an Menschen mit mittleren und niedrigeren Einkommen.

Das ist ein wichtiger Punkt: Die Hoffnungshäuser sollen keine Sonderwelt schaffen. Sie sollen Wohnen, Nachbarschaft und Unterstützung verbinden.

Hoffnungshaus in Öhringen

Geflüchtete und Einheimische unter einem Dach: Die Hoffnungshäuser setzen auf gelebte Integration im Alltag. In Straubenhardt eröffneten zwei Häuser 2020, in Öhringen waren es 2023 drei Häuser. Foto: Hoffnungsträger Stiftung

Wer sich in Öhringen um eine Wohnung bewirbt, verpflichtet sich zu zehn Stunden ehrenamtlicher Arbeit im Monat für die Gemeinschaft – unabhängig von Herkunft oder Pass.

Die Stadt berichtet, dass sich im Alltag Kontakte und Unterstützungsstrukturen zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern entwickelt hätten – etwa beim Deutschlernen oder in der Kinderbetreuung. Erfahrungen aus vergleichbaren Standorten würden laut der Stadt zudem zeigen, dass Integration dort „wirklich gelebt wird“.

Auch Straubenhardt berichtet von wenig Schwierigkeiten im Alltag. Die Hausgemeinschaft regle vieles selbst, sagt Viehweg. Das sei „hervorragend gelungen“. Standortleiterin Miriam Dehner, die mit ihrer Familie selbst im Hoffnungshaus Straubenhardt lebt, beschreibt wohlwollende Beziehungen und Zugehörigkeit als Schlüsselelemente für das Ankommen in Deutschland.

Professionelle Begleitung statt bloßer Wohnraum

Ein entscheidender Unterschied zu reiner Wohnraumbereitstellung liegt aus Sicht der Kommunen in der Begleitung. In Öhringen lebt das Standort-Team ebenfalls selbst in einem der Häuser und gestaltet das Zusammenleben gemeinsam mit regionalen Organisationen, Arbeitskreisen und Ehrenamtlichen. Diese professionelle Struktur sei ein wichtiger Grund dafür, dass das Projekt funktioniert.

Auch die Zusammenarbeit mit der Hoffnungsträger-Gruppe wird von beiden Kommunen positiv beschrieben. In Straubenhardt reiche derzeit ein jährlicher Austausch aus. Wenn Themen aufkämen, laufe die Abstimmung unkompliziert. Öhringen spricht von einer verlässlichen und professionellen Zusammenarbeit. Die Stiftung bringe Erfahrung mit, bleibe aber offen für lokale Gegebenheiten.

Das ist für Kommunen zentral. Denn ein Hoffnungshaus ist kein Projekt, das sich einfach auf ein Grundstück setzen lässt. Es braucht Akzeptanz, lokale Netzwerke und Menschen, die das Zusammenleben tragen. Die Hoffnungsträger-Gruppe selbst betont, dass neue Standorte nur dort entstehen, wo Kommunen oder Partner gezielt auf sie zukommen und aktiv mitwirken. Standorte sollen zentral liegen, gut angebunden sein und Teilhabe ermöglichen.

Hoffnungshaus im Bau in zentraler Lage

Nicht am Rand, sondern mittendrin: Die Hoffnungsträger Stiftung setzt auf zentrale Lagen und lokale Partnerschaften. Foto: Stadt Öhringen

Hoffnungshäuser: Kein Selbstläufer

Die Rückmeldungen zeigen aber auch Grenzen. In Straubenhardt war ursprünglich eine stärkere Durchmischung geplant: Einheimische und Zugezogene sollten stärker gemeinsam unter einem Dach leben. Diese Idee habe so leider nicht funktioniert, sagt Viehweg. Die Grundidee hält er dennoch weiter für richtig.

Auch Öhringen betont, dass Integration kein Selbstläufer ist. Es brauche Zeit, Geduld und die Bereitschaft aller Beteiligten, aufeinander zuzugehen. Hinzu kommt die Finanzierung. Pro Standort kalkuliert die Stiftung nach Angaben der Stadt mit erheblichen Mehrkosten, die nicht allein über Mieteinnahmen gedeckt werden können. Stiftungserträge, Spenden und zivilgesellschaftliche Unterstützung bleiben wichtig. In Öhringen übernimmt die Friedrich-Kriwan-Stiftung die Kosten für die Sozialarbeit.

Für andere Kommunen liegt genau darin die Lehre: Das Hoffnungshaus-Modell kann helfen, Integration und bezahlbaren Wohnraum zusammenzudenken. Es ersetzt aber nicht die kommunale Verantwortung. Es braucht einen passenden Standort, politische Rückendeckung, lokale Partner und eine Stadtgesellschaft, die bereit ist, das Projekt mitzutragen.

Straubenhardt und Öhringen zeigen, dass das gelingen kann. Nicht konfliktfrei, nicht automatisch, aber mit Wirkung.

Weitere Informationen:
https://hoffnungstraeger.de