Ladepark der EnBW in Rutesheim
© EnWW

Vernetzt, elektrisch – und verlässlich?

Elektromobilität gilt als die Zukunft der Mobilität. Die Umstellung ist in vollem Gange. Nicht nur der Ausbau der Ladeinfrastruktur, sondern auch die Elektrifizierung kommunaler Fuhrparks wird durch Förderprogramme vorangetrieben. Doch damit wächst auch die Abhängigkeit vom Stromnetz und es entstehen neue Verwundbarkeiten. Der Anschlag auf das Berliner Stromnetz hat gezeigt, wie schnell kritische Infrastruktur ins Wanken geraten kann. Wie können Kommunen ihre Mobilität künftig besser absichern?

Die Elektrifizierung der Mobilität ist in vollem Gange. Das zeigt nicht nur die seit Januar wieder eingeführte Prämie für E-Fahrzeuge auf Bundesebene. Gerade auch für Kommunen gibt es zahlreiche politische Anreize, den Fuhrpark umzustellen und die Infrastruktur zu elektrifizieren. So gibt es in Baden-Württemberg gezielte Initiativen und Förderprogramme des Landes, die Kommunen bei der Anschaffung von Elektrofahrzeugen, dem Aufbau von Ladeinfrastruktur sowie der Umstellung kommunaler Betriebsflotten unterstützen. Ziel dieser Programme ist es, den Umstieg auf klimafreundliche Antriebe wirtschaftlich attraktiver zu machen und Hemmnisse bei der Einführung neuer Technologien abzubauen.

Neben allgemeinen Förderangeboten für Elektromobilität existieren spezielle Programme für elektrische Nutzfahrzeuge und kommunale Einsatzfahrzeuge, etwa für Bauhöfe, Entsorgungsbetriebe oder den öffentlichen Dienst. Beispielsweise bietet das Land über die L-Bank eine Förderung für elektrische Nutzfahrzeuge („BW-e-Trucks“) an, bei der kommunale Akteure Zuschüsse für die Anschaffung von batterieelektrischen Nutzfahrzeugen erhalten können, insbesondere für Fahrzeuge der Klassen N2 und N3 – ein wichtiger Baustein für die Elektrifizierung auch größerer kommunaler Fahrzeugflotten. Darüber hinaus können Kommunen und kommunale Betriebe über Programme wie „Charge@BW“ Zuschüsse für den Aufbau von Ladeinfrastruktur beantragen, die auch für den eigenen Fuhrpark oder Carsharing-Modelle genutzt werden können.

Große stationäre Batteriespeicher auf einem Betriebsgelände mit Strommasten und Umspanntechnik im Hintergrund.

Stationäre Batteriespeicher können lokale Stromnetze stabilisieren und helfen, Ladeinfrastruktur auch bei Netzstörungen temporär zu versorgen. Foto – Adobe Stock



Doch die Frage nach der Resilienz eines solchen Systems stellt sich nicht erst seit dem verheerenden Anschlag auf das Stromnetz in Berlin. Waren in der Vergangenheit dieselbetriebene Generatoren und Dieselvorräte verlässliche Notfalllösungen, so verlangt eine zunehmend elektrifizierte Infrastruktur nach neuen Strategien zur Sicherstellung der Versorgung.

Genau hier setzt die Studie „Resiliente Mobilität in Baden-Württemberg – Herausforderungen und Anforderungen an ein elektrifiziertes und digitalisiertes Mobilitätssystem der Zukunft“ an, die von der Landesagentur e-mobil BW gemeinsam mit dem Institut für Zukunftsstudien (IZT) bereits 2024 erarbeitet wurde. Die zentrale These der Studie lautet: Klassische Resilienz, also Systeme möglichst stabil gegen Störungen abzusichern, reicht nicht mehr aus. Stattdessen brauche es einen weiter gefassten Ansatz. Resilienz verstehen die Autoren nicht nur als Schutzschild, sondern als Entwicklungsprinzip. Sie sei, schreiben sie, „eine Chance, um zukünftigen Generationen eine lebenswerte und nachhaltige Welt zu hinterlassen“. Mobilität soll demnach von Beginn an so gestaltet werden, dass sie sich an veränderte Rahmenbedingungen anpassen kann.

Der dafür verwendete Begriff lautet „transformative Resilienz“. Gemeint ist die Fähigkeit eines Systems, sich im Krisenfall nicht nur zu stabilisieren, sondern gezielt weiterzuentwickeln. Verwundbarkeiten sollen nicht allein repariert, sondern strukturell reduziert werden. Die Studie fordert ausdrücklich dazu auf, bestehende Abhängigkeiten zu hinterfragen und Mobilität im Sinne eines „resilience by design“ neu zu denken. Für Kommunen bedeutet das einen Perspektivwechsel: Weg von rein reaktiven Maßnahmen, hin zu vorausschauender Planung.

Resilienz in der E-Mobilität: Schnittstellen mitdenken statt getrennt planen

Mobilität darf dabei nicht isoliert betrachtet werden. In der Praxis zeigt sich das etwa dann, wenn ein Stromausfall nicht nur die Straßenbeleuchtung betrifft, sondern gleichzeitig Ladesäulen außer Betrieb setzt, Ampelanlagen ausfallen und digitale Fahrgastinformationen nicht mehr aktualisiert werden. Was zunächst wie ein technisches Einzelproblem wirkt, kann sich schnell zu einer flächigen Störung entwickeln: Busse verspätet, Einsatzfahrzeuge schwerer unterwegs, wichtige Wege nicht mehr verlässlich nutzbar. Genau solche Kettenreaktionen nimmt die Studie in den Blick. Sie versteht Mobilität als Zusammenspiel von Verkehr, Energieversorgung und digitaler Kommunikation – und fordert Kommunen dazu auf, diese Schnittstellen bewusst mitzudenken, statt sie getrennt zu planen. Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass Baden-Württemberg insgesamt gut aufgestellt ist. Das dichte Straßennetz erlaubt Umleitungen, viele Verkehrswege sind robust gebaut. Gleichzeitig entstehen neue Verwundbarkeiten dort, wo Mobilität zunehmend elektrisch und digital organisiert wird.

Für Kommunen ergibt sich daraus eine klare Handlungsfrage: Wo entstehen neue Abhängigkeiten – und wie lassen sie sich absichern? Die Studie empfiehlt, kritische Infrastrukturen wie Ladepunkte, Ampelanlagen oder digitale Steuerungssysteme gezielt zu identifizieren und mit sogenannten „Redundanzen“ zu versehen. Dazu gehören alternative Energieversorgungen, klar definierte Notfallbetriebsmodi oder analoge Rückfallebenen.

Krisenfrüherkennung institutionell verankern

Stromausfälle oder Cyberangriffe können sich deshalb schnell systemisch ausweiten, etwa wenn Ladepunkte ausfallen oder digitale Steuerungssysteme nicht mehr funktionieren. Klassische, rein indikatorbasierte Frühwarnsysteme greifen hier zu kurz. Stattdessen plädiert die Studie für ereignisbasierte Frühwarnsysteme, ergänzt durch Szenarien, Simulationen und strategisches „Foresight“: Ziel ist es, Krisen früher zu erkennen und vorbereitet reagieren zu können.

Ein vollständig funktionsfähiges Ladenetz ist bei einem großflächigen Stromausfall zwar kaum aufrechtzuerhalten, dennoch lässt sich seine Resilienz gezielt erhöhen. Laut dem Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik gewinnen dabei dezentrale Strukturen an Bedeutung: Lokale Stromspeicher, Notstromaggregate oder Inselnetze können kritische Teile der Infrastruktur zeitweise weiter versorgen.

Ergänzend sehen Fachleute in bidirektional ladenden Elektrofahrzeugen ein zukünftiges Element der Notstromversorgung – Fahrzeuge könnten als mobile Energiespeicher Strom zurück in Gebäude oder lokale Netze einspeisen. Auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt für kritische Infrastrukturen redundante Energieversorgung und lokale Ersatzstromsysteme. Intelligentes Lastmanagement und die räumlich verteilte Anordnung von Ladepunkten tragen zusätzlich dazu bei, Ausfälle einzelner Standorte abzufedern. Insgesamt zeigt sich: Ein resilient gestaltetes Ladenetz ersetzt keine stabile Stromversorgung, kann aber helfen, die Folgen eines Blackouts deutlich zu begrenzen.

Resilienz als Führungsaufgabe in der Verwaltung

Für Kommunen sind diese Empfehlungen quasi eine Forderung nach einer Krisenfrüherkennung, die institutionell verankert ist. Laut e-mobil BW dürfe Resilienz nicht projektweise gedacht werden, sondern müsse dauerhaft in Verwaltung und Planung integriert sein. Dazu gehören etwa klare Zuständigkeiten und ein weiterentwickeltes Krisen- und Katastrophenmanagement. Zudem empfiehlt die Studie, Ladeinfrastruktur konsequent mit Speichertechnologien zu verknüpfen, um Netze zu stabilisieren und Versorgungssicherheit zu erhöhen.

Die Studie „Resiliente Mobilität in Baden-Württemberg“ ist abrufbar unter https://is.gd/BfMyxA