KI-Campus-Hub: Digitalschub für Kommunen?
Bereits 2021 wurde der Verein GovTech Campus gegründet. Mitinitiiert wurde er vom damaligen Beauftragten der Bundesregierung für Informationstechnik sowie einem Großteil der Bundesländer. Ziel war es, damit die Zusammenarbeit von Verwaltung, Wissenschaft und der „Technologie-Szene“ zu fördern, um beim Thema Digitalisierung der Verwaltung voranzukommen.
KI in der Verwaltung: GovTech nimmt Kommunen stärker in den Blick
Mittlerweile gilt der Verein als ein wichtiger Pfeiler bei der überfälligen großen Staatsmodernisierung. Im Oktober vergangenen Jahres wurde die Initiative neu ausgerichtet und personell wie organisatorisch gestärkt. Der Name des Vereins lautet jetzt nur noch GovTech Deutschland und soll nun als eine „zentrale Technologieplattform für Staat und Verwaltung“ stärker sichtbar werden und zwar für die Bundes-, Landes- und zunehmend auch kommunale Ebene.
„Wir unterstützen Bund, Länder und Kommunen dabei, digitale Lösungen schneller in die Fläche zu bringen und praxistaugliche Innovationen im Verwaltungsalltag zu verankern“, erklärt die Pressesprecherin von GovTech Deutschland Julia Gottschalk. 2026 soll dabei für die Kommunen in Deutschland ein entscheidendes Jahr werden: „In 2026 erweitern wir unser Angebot für Kommunen“, so die Sprecherin weiter, „damit Städte und Gemeinden moderne Technologien noch gezielter und wirksamer einsetzen können.“
Von Cybersecurity bis KI: Weiterbildung für die Verwaltung
Mitte Dezember 2025 wurde dafür eigens der Verein GovTech Deutschland Kommunal gegründet. Zu den Gründungskommunen zählen aus Baden-Württemberg Heilbronn, Göppingen, Kernen im Remstal und Tengen. „Damit entsteht erstmals ein bundesweit verfügbares Angebot, das Kommunen beim Einsatz moderner Technologien unterstützt“, erklärt Gottschalk. Der Verein biete zentrale Leistungsbereiche: Der Bereich „Learning“ biete ein anwendungsorientiertes und auf die Bedarfe der Verwaltung zugeschnittenes Tech- und Digital-Weiterbildungsangebot für Kommunen. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus „Start-ups, Tech-Szene und Verwaltung“ entstünden Lernformate, die Wissen direkt in die Anwendung bringen. Dazu zählten etwa GovTech-Lernreihen zu digitalen Schlüsselkompetenzen wie Cybersecurity, Künstliche Intelligenz und Cloud.
Unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche setzen im Oktober 2025 den symbolischen Spatenstich für den IPAI-Campus. Die ersten Gebäude sollen 2027 fertiggestellt sein.
Ein weiterer Bereich umfasst das Thema „Lösungsentwicklung“: „Hier begleiten wir Kommunen in der Umsetzung von Technologieprojekten und fungieren dabei als operative Schnittstelle zwischen Verwaltung und Tech-Ökosystem.“ Mitgliedskommunen könnten GovTech damit ohne Ausschreibung beauftragen.
Ein weiteres Teilstück soll die sogenannte „Deutschlandplattform“ sein. Damit die Digitalisierung der kommunalen Familie gelinge, müssten laut Gottschalk digitale Lösungen einfach nachnutzbar, direkt verfügbar sein und gleichzeitig den hohen Anforderungen an Datenschutz, Cybersicherheit und rechtlichen Vorgaben gerecht werden. „Genau hier setzt die Deutschlandplattform von GovTech Deutschland an: Sie bietet Kommunen die Möglichkeit, digitale Anwendungen schnell, rechtssicher und ohne Ausschreibung direkt als Software-as-a-Service zu nutzen.“
Die Mitgliedschaft bei GovTech stehe, betont sie, allen Städten, Gemeinden und Landkreisen offen. „Unser gestaffeltes Beitragsmodell ermöglicht Kommunen jeder Größenordnung, früh und unkompliziert von technologischen Entwicklungen zu profitieren.“ GovTech Kommunal solle so nach Ansicht Gottschalks „zum entscheidenden Beschleuniger werden, um zukunftsweisende Technologien wie KI schnell, sicher und rechtskonform im Rathaus einsetzen zu können“.
KI-Standort Heilbronn als Impulsgeber für den öffentlichen Sektor
Von Relevanz ist dabei auch der Innovation Park Artificial Intelligence (IPAI) in Heilbronn. Der Park gilt als eines der derzeit ambitioniertesten KI-Projekte Deutschlands. Er soll zu einem führenden europäischen Standort für angewandte Künstliche Intelligenz werden – einem Ort, an dem Forschung, Unternehmen, Start-ups und öffentliche Einrichtungen gemeinsam an konkreten KI-Lösungen arbeiten. Das Projekt wurde 2021 von der Dieter-Schwarz-Stiftung, der Schwarz Gruppe und der Stadt Heilbronn gestartet und wächst seitdem stetig.
Kürzlich setzte Bundeskanzler Friedrich Merz gemeinsam mit Landes- und Regionalvertretern den symbolischen ersten Spatenstich für den neuen, rund 30 Hektar großen IPAI-Campus. Damit begann die nächste Ausbauphase: Auf dem Gelände sollen in den kommenden Jahren Labore, Büroflächen, Start-up-Zentren, Testfelder und offene Innovationsräume entstehen. Langfristig sollen dort mehrere Tausend Menschen arbeiten, forschen und entwickeln. Der Campus ist als kollaboratives Ökosystem gedacht, das den schnellen Transfer von Forschungsergebnissen in praktische Anwendungen ermöglicht und gleichzeitig Maßstäbe für eine verantwortungsvolle, sichere und gesellschaftlich nutzbare KI setzen soll.
„Das entstehende KI-Ökosystem rund um das IPAI in Heilbronn eröffnet dem öffentlichen Sektor wertvolle Möglichkeiten, früh Einblicke in neue technologische Entwicklungen zu gewinnen und den souveränen Umgang mit neuen Technologien zu stärken“, berichtet Julia Gottschalk. GovTech Deutschland vernetze Verwaltung, Wissenschaft und Tech-Szene – darunter auch Mitglieder aus dem Heilbronner Umfeld wie die Technische Universität München. Hier entstehe ein Rahmen für einen kontinuierlichen fachlichen Austausch und Wissenstransfer. „Die Zusammenarbeit mit dem IPAI erfolgt durch ein gemeinsames Engagement in verschiedenen Formaten und den regelmäßigen Austausch mit der IPAI Foundation, um gemeinsam relevante Entwicklungen zu beobachten und Themen voranzubringen, die für den öffentlichen Sektor besonders relevant sind.“
GovTech und IPAI wollen Wissenstransfer stärken
In Heilbronn unterhält GovTech neben der Zentrale in Berlin eine Dependance. Davon dürften baden-württembergische Kommunen allein durch die kurzen Anfahrtswege profitieren. Für Heilbronn ist vorgesehen, künftig weitere Formate für kommunale Vertreterinnen und Vertreter anzubieten, die den Austausch vor Ort fördern. Vergangenes Jahr konnte man hier etwa das Simulationsplanspiel „Neustart – Krisenmanagement in Kommunen“ durchführen. Das von der Führungsakademie der Bundeswehr entwickelte Format ermöglicht es kommunalen Krisenstäben, den Umgang mit einem länger andauernden Stromausfall realitätsnah zu trainieren und Entscheidungsprozesse gemeinsam zu erproben. „Wir planen, dieses Format den Kommunen auch 2026 erneut anzubieten“, sagt Gottschalk.
Daneben wird es Veranstaltungen wie Experimentierräume für Verwaltungen weiterhin geben. In diesen Angeboten können Verwaltungsmitarbeitende neue Anwendungen erproben. „Zentraler Baustein bleibt dabei unser Tech Curriculum mit über 30 Modulen, das Mitarbeitende befähigt, digitale Fähigkeiten gezielt zu entwickeln.“
Zudem ist die Digitalakademie Baden-Württemberg ein Partner von GovTech Deutschland. Vergangenes Jahr wurde mit ihr das sogenannte Kernmodul „KI-Briefing“ in Heilbronn angeboten. Es gibt einen kompakten Einblick in aktuelle Entwicklungen und konkrete Anwendungsbeispiele von KI im Verwaltungsumfeld. „Aufgrund der positiven Resonanz planen wir, das Format Anfang 2026 erneut anzubieten und die Zusammenarbeit weiter zu intensivieren.“ Daneben betreibt GovTech die digitale Community-Plattform Atrium. Sie gibt Verwaltungsmitarbeitenden die Möglichkeit, sich organisationsübergreifend auszutauschen und sich über kommende Veranstaltungen, Themenschwerpunkte und Angebote von GovTech zu informieren. Viele kommunale Digitalbeauftragte nutzten die Plattform, um mit anderen Fachkolleginnen und -kollegen in Kontakt zu treten. Diese Community-Anwendung solle laut Gottschalk zeitnah weiterentwickelt und intuitiver gestaltet werden.
Weitere Informationen finden Sie unter unter
https://www.gov.tech
Die Community-Plattform Atrium erreichen Sie unter
https://is.gd/XrGkg9
Mit dem IPAI-Campus entsteht in Heilbronn ein zentraler Knotenpunkt für angewandte Künstliche Intelligenz – als Impulsgeber für Forschung, Wirtschaft und die öffentliche Verwaltung.