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Gewerbesteuer: Bundesweiter Rekord, Rückgang im Südwesten

Bundesweit stiegen die Gewerbesteuereinnahmen auf 76,4 Milliarden Euro. Die Entwicklung unterscheidet sich zwischen den Ländern allerdings stark. Trotz insgesamt wachsender Steuereinnahmen bleibt die Finanzlage vieler Kommunen angespannt.

Die deutschen Städte und Gemeinden haben 2025 zum fünften Mal in Folge einen Rekord bei der Gewerbesteuer erzielt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nahmen sie brutto rund 76,4 Milliarden Euro ein. Das waren rund 1,1 Milliarden Euro oder 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Zusammen mit der Grundsteuer erzielten die Kommunen aus den sogenannten Realsteuern insgesamt 92,5 Milliarden Euro. Gegenüber 2024 entspricht das einem Anstieg um 1,3 Prozent.

Baden-Württemberg mit deutlichem Minus

Die bundesweite Rekordsumme verdeckt große Unterschiede zwischen den Ländern. Die stärksten Zuwächse verzeichneten Schleswig-Holstein und das Saarland mit jeweils 13 Prozent. In Hamburg stiegen die Gewerbesteuereinnahmen um 11,1 Prozent.

In fünf Ländern ging das Aufkommen dagegen zurück. Nach Bremen mit einem Minus von zwölf Prozent verzeichnete Baden-Württemberg mit 7,2 Prozent den zweitstärksten Rückgang. Sachsen folgte mit einem Minus von 6,9 Prozent.

Die Gewerbesteuer hängt stark von den Gewinnen der örtlichen Unternehmen ab. Entsprechend können die Einnahmen einzelner Kommunen und Länder von Jahr zu Jahr erheblich schwanken. Der durchschnittliche Gewerbesteuerhebesatz stieg bundesweit lediglich um einen Punkt auf 410 Prozent.

Industrie verliert fast 500.000 Arbeitsplätze

Die angespannte wirtschaftliche Lage zeigt sich auch auf dem Arbeitsmarkt. Allein im baden-württembergischen Verarbeitenden Gewerbe gingen 2025 nach Angaben des Statistischen Landesamtes rund 44.300 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze verloren, ein Rückgang um 3,3 Prozent. Besonders betroffen waren die Automobilindustrie und der Maschinenbau.

Bundesweit sank die Zahl der Industriebeschäftigten laut einer aktuellen Studie des ifo Instituts zwischen Ende 2018 und Ende 2025 um rund 496.000 Menschen oder 7,1 Prozent. Gleichzeitig entstanden im Dienstleistungssektor mehr als 2,2 Millionen neue Stellen. Die ifo-Forscher warnen, dass dieser Strukturwandel das langfristige Wachstumspotenzial Deutschlands bremsen könnte.

Grundsteuer bleibt nahezu unverändert

Das Aufkommen aus der Grundsteuer lag 2025 bundesweit bei 16,1 Milliarden Euro und blieb damit insgesamt auf dem Niveau des Vorjahres. Innerhalb dieser Summe entwickelten sich die beiden Grundsteuerarten unterschiedlich.

Die Einnahmen aus der Grundsteuer A für land- und forstwirtschaftliche Flächen sanken um 19,6 Prozent auf 300 Millionen Euro. Die Grundsteuer B für bebaute und bebaubare Grundstücke brachte den Kommunen 15,8 Milliarden Euro ein. Das waren 0,7 Prozent mehr als 2024.

Wie hoch die Einnahmen einer Kommune ausfallen, hängt nicht nur von den Grundstückswerten und Unternehmensgewinnen ab. Städte und Gemeinden bestimmen über ihre Hebesätze auch selbst die tatsächliche Belastung vor Ort.

Rekordeinnahmen lösen Finanzprobleme nicht

Trotz der bundesweit hohen Steuereinnahmen bleibt die Finanzlage vieler Kommunen prekär. Im ersten Halbjahr 2026 lag ihr Finanzierungsdefizit bei 20,1 Milliarden Euro und damit weiterhin auf dem Rekordniveau des Vorjahreszeitraums.

Steigende Sozial- und Personalausgaben sowie höhere Zinskosten zehren zusätzliche Einnahmen auf. Der bundesweite Gewerbesteuerrekord bedeutet deshalb nicht, dass sich die kommunalen Haushalte insgesamt erholen. Für Baden-Württemberg fällt die Entwicklung zusätzlich ungünstig aus: Hier gingen die Einnahmen aus einer der wichtigsten kommunalen Steuerquellen deutlich zurück.