Ein Plus für den Standort
Der Ausbau von Carsharing-Angeboten in ländlichen Regionen ist kein Kurzzeitprojekt. Vielmehr sind personelle Ressourcen, gute Vernetzung und der Wille, die Idee des Auto-Teilens in das Gesamt-Mobilitätskonzept einer Kommune zu integrieren, notwendig. Wir bei der Regionalen Wirtschaftsförderung Bruchsal (WFG) sind ein interkommunaler Zusammenschluss von 15 Kommunen und zwei regionalen Banken. Unser E-Carsharing-Netz ZEO ist ein gemeinsames Projekt der WFG, der Stadtwerke Bruchsal und der Umwelt- und Energieagentur Kreis Karlsruhe (UEA).
Standortvorteil Carsharing
Ein gutes Carsharing-Netz ist ein klarer Standortvorteil für jede Region. Das flexible Mobilitätskonzept erhöht die Lebensqualität und bietet Fachkräften, die sich in der Region ansiedeln möchten, ein modernes, attraktives Umfeld. Auch Arbeitgeber nutzen Carsharing-Angebote gern als Ergänzung zu ihrem Fuhrpark. Damit sparen sie Kosten und werden ihrem Anspruch gerecht, nachhaltig zu handeln. Regionen, die moderne Lösungen wie E-Carsharing anbieten, werden als zukunftsorientiert und attraktiv wahrgenommen. Das macht das Mobilitäts-Angebot zum positiven Wirtschaftsfaktor.

Hemmnisse im Ländlichen Raum
Auf dem Land sind die größten Hürden für einen flächendeckenden Ausbau von Carsharing eine geringe Bevölkerungsdichte, die Abhängigkeit für Berufspendler vom eigenen Auto, längere Wege zum nächsten Carsharing-Standort sowie fehlender Parkplatzdruck. Zuweilen spüren wir auch eine Unsicherheit gegenüber Elektrofahrzeugen. Im Mittelpunkt steht nicht der Verzicht auf private Fahrzeuge, sondern eine attraktive Alternative zum Zweit- oder Drittwagen zu schaffen.
Vernetzung und Engagement
Es gibt viele positive Beispiele aus unseren Kommunen, die zeigen, wie das E-Carsharing-Netz erfolgreich ausgebaut wird. Heidelsheim und Oberhausen-Rheinhausen etwa haben ein gut funktionierendes Patenkonzept. Das funktioniert so: Ehrenamtliche bieten vor Ort allgemeine Einweisungstermine für Interessierte an, erklären die Technik der E-Fahrzeuge und demonstrieren den Ladevorgang. Sie sind wertvolle Multiplikatoren, die die Angebote bekannt machen und den Umstieg auf E-Carsharing erleichtern.
In Bad Schönborn hat sich ein Bürgerbusverein mit 28 Mitgliedern gegründet. Der Verein ist Ankermieter bei ZEO-Carsharing. Ankermieter haben in der Regel feste Nutzungszeiten, in denen sie die Fahrzeuge exklusiv buchen.
Land fördert Stellen für Fachkräfte
Ich unterstütze Kommunen dabei, die verschiedenen Förderangebote zu nutzen und helfe bei der Antragsstellung. Außerdem übernehme ich die strategische Standortsuche und informiere über die rechtlichen Rahmenbedingungen. Seit 2024 fördert das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg meine Stelle im Rahmen der Fachkräfteförderung. Diese Stellen werden für vier Jahre geschaffen, zwei Jahre finanziert das Land. Die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) wiederum vernetzt uns Fachkräfte und fördert den Erfahrungsaustausch.
Die Förderung meiner Stelle ist von zentraler Bedeutung, um nachhaltige Mobilität vor Ort voranzubringen. Klimaschutzmanagerinnen und -manager übernehmen zahlreiche Aufgabenbereiche, wodurch spezifische Themen wie Carsharing nicht kontinuierlich im Fokus stehen können. Als Fachkraft kann ich mich dagegen ganz dem Ausbau des Carsharing-Netzes widmen. Vier Jahre Förderung sind ein Zeitraum, in dem ich viel erreichen kann. Denn viele Projekte scheitern aufgrund von Ressourcen- oder Personalmangel, obwohl wir sie dringend brauchen.
Frühzeitig Förderangebote nutzen
Unser Fazit: Für Kommunen bietet es große Vorteile, wenn sie Carsharing-Angebote als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge begreifen, Carsharing in ihr Mobilitätskonzept integrieren und sich mit anderen Kommunen vernetzen. Im Ländlichen Raum empfehlen wir außerdem, Carsharing mit Ankermietern wirtschaftlich abzusichern.
Mehr Informationen und Förderangebote
Mehr Informationen zur Fachkräfteförderung Nachhaltige Mobilität finden Interessierte unter www.kea-bw.de: Personalstellenförderung Nachhaltige Mobilität.
Die KEA-BW gibt unter https://is.gd/gP4TPm einen Überblick zu Stellenprofilen und Personalstellenförderungen im Bereich Energie und Klimaschutz.
Bis Oktober 2026 können sich Kommunen in Baden-Württemberg kostenfrei zu rechtlichen Fragen rund um Carsharing beraten lassen. Dazu zählen vergaberechtliche, kommunalrechtliche sowie verwaltungs-, straßen- und straßenverkehrsrechtliche Aspekte. Informationen zur Rechtsberatung finden Sie unter https://is.gd/nbdWWw.
Unter https://is.gd/FrJ8EV finden Interessierte Informationen zu weiteren Förderprogrammen in Baden-Württemberg.
Autor

Christian Will ist Projektmanager für nachhaltige Mobilität bei der Regionalen Wirtschaftsförderung Bruchsal. Seit 2024 fördert das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg seine Stelle im Rahmen der Fachkräfteförderung für Mobilität und Klimaschutz.