Bund zeichnet 20 Projekte für bessere Bahnhof-Anschlüsse aus
Gerade in ländlichen Regionen reicht ein Bahnhof allein nicht aus. Entscheidend ist, ob die Menschen ihn zuverlässig erreichen und nach der Ankunft weiterkommen. Fehlen abgestimmte Busverbindungen, sichere Fahrradabstellplätze oder Angebote für die letzten Kilometer, bleibt das Auto häufig die einfachere Wahl.
Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen und das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) haben deshalb 20 Projekte ausgezeichnet, die solche Lücken schließen. Die Preisverleihung des Wettbewerbs „Anschlüsse gestalten. Mobil in ländlichen Räumen“ fand am 14. Oktober in Bonn statt.
Die Gewinner erhalten jeweils 5.000 Euro. Zu ihnen gehören Kommunen, Landkreise, Verkehrsverbünde und Verkehrsunternehmen. Ihre Projekte reichen von besser abgestimmten Busfahrplänen und flexiblen Bedarfsverkehren bis zu Mobilitätsstationen, sicheren Fuß- und Radwegen, Sharing-Angeboten und Ladepunkten.
Zwei Projekte aus Baden-Württemberg
Aus Baden-Württemberg wurden der Bahnhof Bad Säckingen als Mobilitätsdrehscheibe und der multimodale Mobilitätsknoten Baiersbronn ausgewählt. Beide Projekte verbinden unterschiedliche Verkehrsmittel an einem zentralen Ort und erleichtern damit den Umstieg zwischen Bahn und weiteren Angeboten.
„Wer auf dem Land lebt, darf ohne eigenes Auto nicht abgehängt sein“, erklärte die Parlamentarische Staatssekretärin Sabine Poschmann. Gute Mobilität ermögliche gesellschaftliche Teilhabe und steigere die Attraktivität von Gemeinden als Wohn- und Arbeitsorte.
Die ausgezeichneten Beispiele sollen deshalb nicht nur gewürdigt, sondern auch für andere Kommunen nutzbar gemacht werden. Eine Jury aus Wissenschaft, Verwaltung und Verbänden wählte Projekte aus, die sich bereits im Alltag bewährt haben und sich zumindest teilweise auf andere Orte übertragen lassen.
Bus wartet auf verspäteten Zug
Drei Projekte erhielten eine zusätzliche Sonderauszeichnung. Im nordrhein-westfälischen Hövelhof wurden die Fahrpläne des öffentlichen Verkehrs auf die Arbeitszeiten in einem Gewerbe- und Industriegebiet abgestimmt. Die Gemeinde entwickelte das Angebot gemeinsam mit der Nahverkehrsgesellschaft und 13 Unternehmen.
Eine Regiobuslinie bringt Beschäftigte vom Bahnhof bis auf höchstens 300 Meter an ihren Arbeitsplatz. Verspätet sich der Regionalzug, wartet der Bus. Ergänzend verbindet ein Bedarfsverkehr die einzelnen Ortsteile mit dem Bahnhof.
Auch Melsungen in Hessen verknüpft Bus, Bahn und flexible Angebote. Zwei Buslinien wurden zu einem Stadtbus im Halbstundentakt zusammengeführt. Nach dem Prinzip „Jedes Dorf, jede Stunde“ erhalten Orte mit mindestens 200 Einwohnerinnen und Einwohnern wenigstens eine stündliche Verbindung. Der modernisierte Bahnhof dient als zentraler Umsteigepunkt.
Dingolfing verdoppelt Anschlussmöglichkeiten
Dingolfing in Bayern analysierte zunächst Verkehrswege, Nachfrage und Lücken im bestehenden Stadtbusnetz. Anschließend erweiterte die Stadt das Angebot von vier auf sechs Linien und führte einen Halbstundentakt ein, der auf die Regionalzüge abgestimmt ist.
Dadurch hat sich der Anteil der Zugankünfte mit einem passenden Busanschluss mehr als verdoppelt. Zwischen Bahnhof und Innenstadt bestehen inzwischen täglich mehr als 53 Fahrtmöglichkeiten – ebenfalls mehr als doppelt so viele wie zuvor.
Das BBSR stellt alle 20 Projekte auf seinem Online-Nachschlagewerk Mobilikon vor. Zusätzlich werden die Erfahrungen in einer Veröffentlichung aufbereitet. Sie soll zeigen, welche Maßnahmen umgesetzt wurden, welche Bedingungen zum Erfolg beigetragen haben und wie andere Kommunen von den Projekten lernen können.