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Gesamtstrategie für Ländlichen Raum beschlossen

Mit einer neuen Gesamtstrategie will die Landesregierung Baden-Württemberg die Zukunft der ländlichen Regionen sichern. Acht Leitsätze bündeln zentrale Handlungsfelder – von Wohnraum und Infrastruktur über Gesundheitsversorgung bis hin zu Wirtschaft, Bildung und Ehrenamt. Für Städte und Gemeinden im Ländlichen Raum sollen daraus langfristige Impulse entstehen.

Die Landesregierung betrachtet den Ländlichen Raum als wichtigen Bestandteil der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Struktur Baden-Württembergs. Kurz vor der Landtagswahl am 8. März hat das grün-schwarze Kabinett in der vergangenen Woche noch eine Gesamtstrategie beschlossen, die zentrale Herausforderungen und Entwicklungsperspektiven bündelt (zur 85-seitigen Langversion der Strategie geht es hier, zur zwölfseitigen Kurzversion hier). Ziel ist es, die Lebensqualität zu sichern und gleichzeitig die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Regionen zu stärken. Acht Leitsätze geben dafür den strategischen Rahmen vor und bündeln Maßnahmen verschiedener Ressorts der Landesregierung.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Wohnsituation und der Grundversorgung in den Gemeinden. Auch außerhalb der Ballungsräume fehlt vielerorts bezahlbarer Wohnraum. Gleichzeitig stehen Kommunen vor der Aufgabe, mit begrenzten Flächen verantwortungsvoll umzugehen. Das Land setzt deshalb verstärkt auf Innenentwicklung und eine stärkere Nutzung vorhandener Gebäude. Die Strategie betont: „Das Wohnen im Ländlichen Raum sollte daher neu gedacht und vielfältiger werden.“ Ortskerne sollen weiterentwickelt, Leerstände reaktiviert und Gebäude multifunktional genutzt werden. Auch nachhaltige Bauweisen, etwa mit Holz, sollen stärker gefördert werden.

Ein weiteres zentrales Thema ist die Sicherung der Nahversorgung. Gerade in kleineren Gemeinden können klassische Geschäftsmodelle an wirtschaftliche Grenzen stoßen. Die Strategie setzt deshalb auch auf neue Ansätze wie genossenschaftlich betriebene Dorfläden, multifunktionale Treffpunkte oder automatisierte Verkaufsstellen. In der Strategie ist von „multifunktionalen ‚Lebensmitte(l)punkten‘ im Ortskern“ die Rede, die unterschiedliche Dienstleistungen und Angebote bündeln können. Solche Modelle können unterschiedliche Dienstleistungen bündeln und so die Versorgung vor Ort sichern. Auch regionale Online-Marktplätze sollen dazu beitragen, lokale Angebote digital zu vernetzen und ihre Reichweite zu erhöhen.

Infrastruktur und Mobilität im Fokus

Neben der Versorgung spielt die Infrastruktur eine zentrale Rolle für die Attraktivität ländlicher Räume. Die Strategie betont, dass sowohl Verkehr als auch digitale Netze weiter ausgebaut werden müssen. Der Individualverkehr wird gerade außerhalb der Städte weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Gleichzeitig sollen der öffentliche Nahverkehr sowie neue Mobilitätsangebote gestärkt werden. Dazu gehören unter anderem Bus- und On-Demand-Verkehre, eine bessere Taktung im regionalen Bahnverkehr sowie die mögliche Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken.

Der „flächendeckende Ausbau einer ausreichend schnellen digitalen Infrastruktur im Ländlichen Raum“ soll weiter vorangetrieben werden. Gleichzeitig könnten digitale Anwendungen neue Möglichkeiten eröffnen – etwa in der Telemedizin, bei digitalen Verwaltungsangeboten oder bei neuen Mobilitätslösungen. Modellprojekte sollen zeigen, wie digitale Technologien gezielt zur Entwicklung ländlicher Regionen beitragen können.

Wirtschaft, Ehrenamt und Kultur

Die wirtschaftliche Entwicklung des Ländlichen Raums ist ein weiterer zentraler Bestandteil der Strategie. Viele mittelständische Unternehmen und innovative Betriebe sind außerhalb der großen Städte angesiedelt. Ihre Innovationsfähigkeit soll gezielt gefördert werden, etwa durch eine bessere Zusammenarbeit mit Hochschulen oder durch regionale Netzwerke. Auch der Ausbau erneuerbarer Energien sowie neue Ansätze der Bioökonomie können zusätzliche Impulse für Arbeitsplätze und Wertschöpfung in den Regionen schaffen.

Darüber hinaus hebt die Strategie die Bedeutung des gesellschaftlichen Zusammenhalts hervor. Ehrenamtliches Engagement spielt gerade in kleineren Gemeinden eine wichtige Rolle für das soziale Leben. Förderprogramme, Weiterbildungsangebote und eine stärkere Anerkennung ehrenamtlicher Arbeit sollen dazu beitragen, dieses Engagement langfristig zu sichern. Auch Kulturangebote, regionale Identität und Tourismus gelten als wichtige Faktoren für die Attraktivität ländlicher Räume.

Insgesamt versteht die Landesregierung die Gesamtstrategie als gemeinsamen Rahmen für die zukünftige Entwicklung ländlicher Regionen. Die Umsetzung der Maßnahmen soll im Zusammenspiel verschiedener Ressorts erfolgen und sich an den finanziellen Möglichkeiten des Landes orientieren. Für Städte und Gemeinden im Ländlichen Raum soll die Strategie vor allem neue Impulse und Orientierung für ihre weitere Entwicklung bieten.