© Adobe Stock

Öffentliche Förderung von Sportstätten erhöht mittelfristig Privateinkommen der Bürger

Dieser Zusammenhang leuchtet vielleicht nicht sofort ein, doch er ist wissenschaftlich belegt: Je stärker Kommunen ihre Sportstätten fördern, desto höher sind die Gehälter ihrer Einwohner. Das haben Wissenschaftler der Universitäten St. Gallen und Tübingen herausgefunden. Die Datengrundlage ist beeindruckend.

Gemeinden tun ihrer Bevölkerung etwas Gutes, wenn sie Sportanlagen fördern. Diese Erkenntnis hat eine Studie von Forschern der Universitäten Tübingen und St. Gallen zutage gefördert. Bürger solcher Kommunen profitieren aber nicht nur körperlich, wie man zunächst annehmen könnte. Sondern vor allem finanziell. Mittel- bis langfristig hätten die Bürger mehr Geld in der Tasche, so die Wissenschaftler.

Privates Nettoeinkommen bis zu 5,8 Prozent erhöht

"Das Nettoeinkommen der Haushalte kann bis zu 5,8 Prozent höher ausfallen als bei geringer Sportstättenförderung", so eine Pressemitteilung der Universität Tübingen. Kleiner Wermutstropfen in Sachen Gleichberechtigung: Der Effekt gehe fast ausschließlich auf Gehaltssteigerungen bei Männern zurück.

Forscherteam: Gesundheitliches und soziales Wohlbefinden schlägt sich auf Einkommen nieder

Die Ergebnisse des von der deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderten Studie wurden in der Fachzeitschrift Labour Economics veröffentlicht. Aus ihr geht hervor, dass vorrangig Männer die lokale öffentliche Sportinfrastruktur nutzen. Die dadurch erreichte Steigerung ihres gesundheitlichen und sozialen Wohlbefindens schlage sich in einem größeren Erfolg auf dem Arbeitsmarkt nieder, so das Forschungsteam.

Indirekte Effekte von öffentlichen Ausgaben für Sport zuvor kaum untersucht

„Die direkten Arbeitsmarkteffekte von öffentlichen Ausgaben für Bildung oder Arbeitsmarktprogramme wurden schon häufiger untersucht, nicht jedoch die indirekten Effekte von öffentlichen Ausgaben für Sport“, sagt Tim Pawlowski vom Institut für Sportwissenschaft der Universität Tübingen. Und das, obwohl die Politik solche Ausgaben häufig mit positiven Effekten auf beispielsweise die Gesundheit oder das Sozialkapital begründe, was wiederum nachweislich positiv auf den Arbeitsmarkterfolg wirke.

Breite Datengrundlage: Pro-Kopf-Ausgaben für Sporteinrichtungen von mehr als 12.000 Gemeinden untersucht

Als Datengrundlage dieser neuen Studie nutzten die Wissenschaftler das Soziooekonomische Panel (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Darin werden ausgewählte Privathaushalte seit 1984 jährlich wiederholt unter anderem zu soziologischen, gesundheitlichen und ökonomischen Themen befragt. Für den ausgewählten Zeitraum von 2001 bis 2012 wurden diese Daten mit den jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben für örtliche Sporteinrichtungen der damals noch mehr als 12.000 Gemeinden in Deutschland verbunden (mittlerweile ist die Anzahl der Gemeinden gesunken).

Forscher: Waren von Ergebnissen selbst überrascht

Dass höhere Förderbeträge auch mehr Geld in die Kassen von Privathaushalten spült hat auch die Forscher selbst überrascht. „Daher haben wir zahlreiche andere Modellspezifikationen getestet und die Ergebnisse miteinander verglichen“, sagt Pawlowski. Das Hauptergebnis sei indes stets gleich geblieben: Die Personen in Kommunen mit höheren Ausgaben für Sportstätten erzielten ein um mehr als fünf Prozent höheres Gehalt als in Kommunen mit weniger Ausgaben für Sportstätten.

Forscher: Gehen davon aus, dass Männer stärker von örtlichen Sportanlagen profitieren

Auch die Geschlechterdifferenz sei bestehen geblieben, sagte Pawlowski. „Wir gehen davon aus, dass die Männer stärker von den örtlichen Sportanlagen profitierten, weil Frauen dieser Altersklasse allgemein weniger Sport treiben und entsprechend auch öffentliche Sportstätten seltener nutzen.“

Weitere Informationen auf der Webseite des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Tübingen